Wer nach Österreich kommt, soll möglichst schnell arbeiten können – zumindest in der Theorie. In der Praxis dauert der Einstieg oft Jahre. Bürokratische Hürden, langwierige Anerkennungsverfahren und Einschränkungen während laufender Asylverfahren verzögern den Zugang zum Arbeitsmarkt erheblich.

Dabei gilt Arbeit als einer der wichtigsten Schlüssel zur Integration. Sprache wird im Berufsalltag schneller gelernt, soziale Kontakte entstehen leichter und die Eigenständigkeit wächst.

Deutliche Unterschiede zwischen den Herkunftsländern

Die aktuellen Daten zeigen jedoch ein klares Bild: Während viele Zuwanderer aus EU-Staaten nach einigen Jahren fest im Arbeitsmarkt verankert sind, liegen die Beschäftigungsquoten von Menschen aus Syrien, Afghanistan oder Somalia auch nach längerer Aufenthaltsdauer deutlich darunter.

Experten sehen dafür mehrere Ursachen. Neben bürokratischen Hindernissen spielen auch unterschiedliche Bildungsniveaus, kulturelle Prägungen und traditionelle Rollenbilder eine Rolle – etwa bei der Erwerbstätigkeit von Frauen.

Während Länder wie Polen oder die Slowakei vor allem Arbeitsmigration anziehen, sieht die Situation in Österreich anders aus. Ein großer Teil der Zuwanderung erfolgt über Familiennachzug oder Ausbildungszwecke – deutlich seltener wegen eines Arbeitsplatzes.

Damit verliert Österreich im internationalen Wettbewerb um dringend benötigte Fachkräfte zunehmend an Boden.

Hohe Kosten schrecken Unternehmen und Arbeitnehmer ab

Als weiterer Nachteil gelten die hohen Steuern und Abgaben. Österreich zählt innerhalb der OECD zu den Ländern mit den höchsten Lohnnebenkosten. Das verteuert Arbeitsplätze für Unternehmen und schmälert gleichzeitig das Nettoeinkommen der Beschäftigten.

Im Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte ist das ein erheblicher Standortnachteil.

Für Ökonomin Carmen Treml liegt das Grundproblem auf der Hand: Österreich schaffe es nicht, Menschen mit Aufenthaltstitel von Beginn an in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Stattdessen würden viele über lange Zeit in komplizierten Verfahren und Förderprogrammen feststecken.

Ihr Fazit fällt deutlich aus: Wer Integration ernst nehme, müsse Beschäftigung schneller ermöglichen, bürokratische Hürden abbauen und qualifizierte Zuwanderung attraktiver machen. Nur so könne Österreich den wachsenden Fachkräftemangel langfristig bewältigen.

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