Der Vorfall soll sich gegen 7.10 Uhr im Bereich des Wiener Pratersterns ereignet haben. Laut dem Hörer war zuvor ein Beitrag über Terrorismus-Prozesse in Österreich ausgestrahlt worden. Dann sei das Programm für kurze Zeit verschwunden und durch eine arabischsprachige Übertragung ersetzt worden. Besonders rätselhaft: Die Störung war offenbar nur auf einen sehr kleinen Bereich begrenzt. Nachdem der Autofahrer seine Fahrt fortgesetzt hatte, kehrte das reguläre Radioprogramm bereits wenige Augenblicke später zurück. Genau dieser Umstand liefert einen entscheidenden Hinweis auf die mögliche Ursache. Experten gehen davon aus, dass es sich nicht um eine Störung beim ORF selbst gehandelt hat, sondern um ein lokales Signal, das kurzfristig die UKW-Frequenz überlagert haben könnte.

Verdacht auf illegalen Piratensender

Nach Einschätzung von Technikexperten könnte hinter dem Vorfall ein sogenannter Piratensender stecken. Dabei handelt es sich um nicht genehmigte Mini-Sender, die mit geringer Leistung senden und nur in einem sehr kleinen Umkreis empfangen werden können. Solche Anlagen erreichen oft nur wenige Straßen oder Häuserblocks. Befindet sich ein Radioempfänger genau im Ausstrahlungsbereich, kann das lokale Signal vorübergehend die offizielle Frequenz überdecken. Dass die arabischen Sprachpassagen nur auf wenigen Metern zu hören waren, würde zu diesem Szenario passen.

Brisante zeitliche Überschneidung

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt der Umstand, dass die Störung ausgerechnet während eines Beitrags über islamistischen Terrorismus auftrat. Im Morgenjournal wurden zu diesem Zeitpunkt unter anderem aktuelle Verfahren rund um den Terroranschlag in Villach sowie vereitelte Anschlagspläne in Wien thematisiert. Ob zwischen dem Inhalt des Radiobeitrags und der plötzlich auftauchenden arabischen Übertragung irgendein Zusammenhang besteht, gibt es derzeit jedoch keinerlei Hinweise. Der ORF selbst sieht die Ursache nicht im eigenen Sendebetrieb. Nach Angaben von Technikexperten wurde das reguläre Programm ordnungsgemäß ausgestrahlt. Nun dürfte die zuständige Fernmeldebehörde versuchen, die Quelle des fremden Signals ausfindig zu machen. Sollte tatsächlich ein illegaler Sender dahinterstecken, drohen den Betreibern empfindliche Strafen. Bis dahin bleibt offen, wer hinter der mysteriösen Übertragung steckt – und warum ausgerechnet an diesem Morgen plötzlich arabische Stimmen auf einer österreichischen Radiostation zu hören waren.