Seit Jahren blicken Astronomen gespannt in Richtung des Sternbilds Nördliche Krone. Dort befindet sich mit T Coronae Borealis (T CrB) ein System, das nur selten in den Fokus rückt – dann aber mit voller Wucht.

Denn ungefähr alle 80 Jahre kommt es dort zu einem gewaltigen Ausbruch. Gesichert beobachtet wurde das Ereignis laut der Fachstudie von S. Starrfield und Kollegen in den Jahren 1866 und 1946. Die Forscher halten auch frühere Ausbrüche für möglich. Auf Basis dieser Zyklen wurde seit 2024 über eine erneute Explosion spekuliert.

Plötzlich sichtbar: Wenn der Stern „explodiert“

Im Normalzustand ist T CrB viel zu lichtschwach, um mit bloßem Auge gesehen zu werden. Kommt es jedoch zu einer Nova, steigt die Helligkeit nach Angaben der Forscher möglicherweise auf etwa 2 Magnituden an. Damit könnte der Stern vorübergehend frei sichtbar werden.

Wie aus der Studie im Fachjournal The Astrophysical Journal hervorgeht, handelt es sich bei T CrB um ein Doppelsternsystem aus einem Weißen Zwerg und einem Roten Riesen. Der Weiße Zwerg sammelt Materie seines Begleitsterns an. Wird eine kritische Menge erreicht, setzt auf seiner Oberfläche eine thermonukleare Reaktion ein – die Nova wird ausgelöst.

Alte Daten, neue Erwartungen

Die bisherigen Ausbrüche von 1866 und 1946 sind in der Forschung seit langem bekannt. Dass Astronomen gerade jetzt mit besonderer Spannung auf T CrB schauen, hängt auch mit jüngeren Beobachtungen zusammen. Laut der Studie galt ein neuer Ausbruch für 2025 oder 2026 als plausibel.

Der Münchner Merkur berichtete am 14. April 2026, dass viele Beobachter ursprünglich sogar schon 2024 mit dem Ereignis gerechnet hatten. Bis Mitte April 2026 ist die Nova jedoch ausgeblieben.

Forscher rechnen mit Rekord im All

Besonders spektakulär ist die Prognose des Teams um Astrophysiker Sumner Starrfield: Laut der am 19. März 2025 veröffentlichten Studie könnte T CrB für kurze Zeit die hellste klassische oder wiederkehrende Nova werden, die jemals im Röntgenlicht beobachtet wurde.

Die Wissenschaftler simulierten den erwarteten Ausbruch hydrodynamisch und kommen zu dem Schluss, dass das System extrem energiereich reagieren dürfte. Neben dem optischen Aufleuchten sagen sie auch einen frühen Röntgen- und UV-Blitz voraus. Darüber hinaus könnte es später noch eine zweite Phase starker Röntgenstrahlung geben.

Warum der Ausbruch auf sich warten lässt

Warum T CrB bislang ruhig geblieben ist, ist weiterhin offen. Der Münchner Merkur zitiert Starrfield mit der Einschätzung, der Weiße Zwerg habe seit 1946 womöglich nicht genügend Materie angesammelt, um bereits jetzt wieder auszubrechen.

Zugleich betonte der Forscher laut dem Bericht, seine Modelle sagten vor allem voraus, wie der Ausbruch verlaufen werde – nicht exakt, wann er einsetzt. Seine Schätzung: T CrB könnte innerhalb der nächsten 18 Monate bis zwei Jahre aufflammen, möglicherweise aber auch später.

Ein Stern mit besonderem Potenzial

Nach Angaben der Fachstudie besitzt der Weiße Zwerg in T CrB etwa 1,35 Sonnenmassen und ist damit außergewöhnlich massereich. Die Simulationen deuten außerdem darauf hin, dass der Stern trotz Materialausstoß insgesamt weiter an Masse zunimmt.

Genau das macht T CrB wissenschaftlich so brisant: Laut Starrfield und seinem Team könnte sich der Weiße Zwerg langfristig einer kritischen Grenze annähern, die in der Astrophysik mit besonders extremen Endstadien verbunden ist.

Jederzeit möglich

Für Himmelsbeobachter bleibt T CrB damit ein echter Ausnahmefall. Im Sternbild Corona Borealis könnte jederzeit ein neuer Lichtpunkt auftauchen, der vorher nicht zu sehen war.

Ob das in den nächsten Wochen, Monaten oder erst später passiert, kann derzeit niemand seriös vorhersagen. Klar ist aber: Sollte T CrB tatsächlich ausbrechen, wäre das nicht nur ein seltenes Himmelsschauspiel, sondern auch ein Ereignis von großem wissenschaftlichem Wert.