Wie der ORF berichtet, muss sich der Mann am kommenden Mittwoch (10. Juni) vor einem Schöffensenat im Wiener Straflandesgericht wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen, Besitz und Verbreitung von bildlichem sexualbezogenem Kindesmissbrauchsmaterial und versuchte geschlechtliche Nötigung verantworten.
Ofer glaubten mit anderem Mädchen zu schreiben
Der 47-Jährige suchte in den sozialen Medien nach seinen Opfern – überwiegend auf Instagram. Sobald die Mädchen einen öffentlichen Live-Stream starteten, nahm der Mann Kontakt auf. Dabei gab er sich als 13-jähriges Mädchen aus, und erschlich sich das Vertrauen seiner Opfer. Er brachte sie insgesamt 40 Mal dazu, sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen und diese mit der Handykamera aufzunehmen. Diese Videos wurden ihm dann zugesendet.
Ermittler stoßen auf erschütterndes Material
Als die betroffenen Mädchen keine weiteren Aufnahmen mehr übermitteln wollten, soll der Beschuldigte den Druck massiv erhöht haben. Laut Anklage drohte er damit, bereits erhaltene Videos an Familienangehörige weiterzuleiten und die Opfer bloßzustellen. Die Drohungen sollen die Minderjährigen in große Angst versetzt haben. Nach monatelangen Ermittlungen gelang es den Behörden schließlich, den Verdächtigen auszuforschen. Ende Juni 2025 wurde der 47-Jährige festgenommen. Seither befindet er sich in Untersuchungshaft. Bei einer anschließenden Hausdurchsuchung machten die Ermittler einen weiteren erschütternden Fund. Auf mehreren Datenträgern sollen sich tausende Dateien mit Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs befunden haben. Die sichergestellten Daten werden seither von Spezialisten ausgewertet. Besonders schwer wiegt der Vorwurf, dass ein Teil des Materials aus dem Darknet stammen soll. Darüber hinaus soll der Beschuldigte entsprechende Inhalte nicht nur konsumiert, sondern auch an andere Personen weitergeleitet haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass er Teil eines Netzwerks war, in dem derartige strafbare Inhalte ausgetauscht wurden.
Schwerwiegende Vorwürfe vor Gericht
Die Vorwürfe gegen den Mann zählen zu den schwersten Delikten im Bereich der Online-Kriminalität gegen Kinder. Neben den mutmaßlichen Missbrauchshandlungen und den Drohungen gegenüber den Opfern stehen nun auch die sichergestellten Dateien im Mittelpunkt der strafrechtlichen Aufarbeitung. Das Wiener Straflandesgericht wird sich in den kommenden Verhandlungstagen mit den zahlreichen Anklagepunkten beschäftigen. Für den Angeklagten gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung. Erschwerend kommt hinzu, dass der Angeklagte bereits einschlägig vorbestraft ist. Schon in der Vergangenheit wurde er wegen des Besitzes von Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs verurteilt. Die neuerlichen Vorwürfe wiegen daher besonders schwer. Im Zuge des Verfahrens wurde auch ein psychiatrisches Gutachten erstellt. Der Sachverständige kommt darin zu dem Schluss, dass beim 47-Jährigen eine verfestigte pädosexuelle Störung vorliegt. Diese wird als schwerwiegende und nachhaltige psychische Erkrankung eingestuft.
Bis zu zehn Jahre Haft möglich
Für den Angeklagten steht viel auf dem Spiel. Im Falle einer Verurteilung droht ihm eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren. Darüber hinaus könnte das Gericht zusätzliche Maßnahmen anordnen. Das psychiatrische Gutachten sieht nämlich ein erhöhtes Risiko für weitere einschlägige Straftaten. Aus diesem Grund wird neben einer möglichen Haftstrafe auch die Unterbringung in einem forensisch-therapeutischen Zentrum – dem sogenannten Maßnahmenvollzug – empfohlen. Das Wiener Straflandesgericht wird nun nicht nur über die strafrechtliche Verantwortung des Mannes entscheiden müssen. Ebenso zentral ist die Frage, wie die Gesellschaft langfristig vor möglichen weiteren Straftaten geschützt werden kann. Für die betroffenen Mädchen und ihre Familien beginnt damit die juristische Aufarbeitung eines Falls, der zeigt, welche schwerwiegenden Folgen Cyber-Grooming und digitale Manipulation für junge Menschen haben können. Während die Justiz die Vorwürfe prüft, bleibt die Hoffnung, dass der Prozess auch ein Signal für mehr Aufmerksamkeit und Schutz im Umgang mit Gefahren im Internet setzt.

Kommentare
Lädt Kommentare...