Dieser Fall sorgte international für großes Entsetzen: Eine Zwölfjährige soll über Monate hinweg von mehreren jungen Männern missbraucht worden sein. Dennoch endete der Prozess 2025 mit Freisprüchen für alle Angeklagten. Nun hat die Mutter des Mädchens in einem Interview mit der deutschen Tageszeitung Welt ausführlich ihre Sicht geschildert.

Die Mutter beschreibt darin, wie sich ihre Tochter Anna plötzlich veränderte. „Wir (Anm. d. Red.: ihr Ex-Ehemann und sie selbst) haben gemerkt, dass mit Annas Gemütszustand, mit ihrer Seele etwas nicht stimmt“. Das Mädchen habe sich zurückgezogen, kaum noch gesprochen. Zunächst habe man an die Pubertät gedacht – doch bald sei klar gewesen, „da muss noch etwas anderes dahinterstecken“, erzählte sie.

„Wie eine Nahtoderfahrung“

Der entscheidende Hinweis kam laut der Mutter jedoch erst Monate später. Ein junger Mann berichtete von Videos und Erzählungen anderer Burschen. „Meine damaligen Gefühle lassen sich kaum beschreiben. Wie eine Nahtoderfahrung hat sich das angefühlt“, so Annas Mutter.

Besonders scharf kritisiert sie den Prozessverlauf. Dass die Treffen als freiwillig gewertet wurden, sei für sie unverständlich. „Ein zartes Mädchen, umringt von zig Männern. Glaubt da wirklich jemand an Freiwilligkeit?“, fragt sie im Interview. Auch Aussagen aus dem Gericht hätten sie fassungslos gemacht – etwa die Einschätzung, ein „Nein“ könne sich unter Umständen in ein „Ja“ verwandeln.

100 Euro als „Entschuldigung“

Ein Moment habe sich besonders eingebrannt: Ein Angeklagter legte 100 Euro als Entschuldigung vor. „Ich hatte das Gefühl als Mutter: Das war so, als ob jemand für eine Prostituierte zahlt“, schildert sie.

Die Mutter wirft den Behörden zudem Versäumnisse bei Ermittlungen und Beweissicherung vor. Ihre Tochter versuche heute, ein normales Leben zu führen. Gleichzeitig warnt sie eindringlich: „Jedes Mädchen kann eine Anna sein.“