In den Archiven des italienischen Außenministeriums wurden zwei bislang unbekannte diplomatische Noten aus den Jahren 1919 und 1922 entdeckt. Ihr Inhalt sorgt nun für politische Brisanz: Schon kurz nach dem Ende der Monarchie soll die junge Republik Österreich selbst davon ausgegangen sein, dass es sich beim Habsburger-Schmuck um Privatbesitz der Kaiserfamilie handeln könnte.
Besonders pikant: Eine der Noten stammt vom damaligen Staatskanzler Karl Renner – einem der Gründerväter der SPÖ -wie die Tageszeitung Heute berichtet.
Ausgerechnet Renners Zweifel
Im Mittelpunkt des jahrzehntelangen Streits steht der legendäre 137-Karat-Diamant „Florentiner“. Kaiser Karl hatte den Familienschmuck nach dem Ende der Monarchie 1918 ins Exil mitgenommen. Lange galt der Schatz als verschollen, ehe er im vergangenen Jahr in Kanada wieder auftauchte. Dort befindet er sich seit Jahrzehnten in einem Trust und soll künftig öffentlich ausgestellt werden.
Nachdem die Pläne bekannt wurden, forderte Babler eine rechtliche Prüfung möglicher Rückforderungsansprüche und beauftragte damit die Finanzprokuratur.
Genau diese Institution spielte allerdings bereits vor mehr als 100 Jahren eine entscheidende Rolle. Denn eine weitere nun aufgetauchte diplomatische Note aus dem Jahr 1922 verweist auf eine damalige Prüfung der Finanzprokuratur.
Das Ergebnis fiel eindeutig aus: Kaiser Karl habe den Schmuck rechtmäßig aus der Schatzkammer mitgenommen. Österreich könne daraus keine rechtlichen Ansprüche ableiten.
Schon 1919 hatte Italien den berühmten „Florentiner“-Diamanten von Österreich zurückverlangt. Doch selbst Karl Renner äußerte damals Zweifel, ob die Republik überhaupt berechtigt sei, Forderungen gegenüber den Habsburgern zu stellen.
Karl Habsburg fühlt sich bestätigt
Für Karl Habsburg, das heutige Oberhaupt der ehemaligen Kaiserfamilie, sind die neuen Dokumente ein klarer Beleg für die Position seiner Familie.
„Damit ist bestätigt, was wir immer schon wussten und gesagt haben“, erklärte er gegenüber den „Salzburger Nachrichten“.
Trotz der historischen Unterlagen hält die von Babler eingesetzte Expertenkommission an ihrer Arbeit fest. Die Finanzprokuratur will ihre aktuelle rechtliche Bewertung bis zum Herbst abschließen.
Historiker weisen allerdings darauf hin, dass selbst im Fall eines österreichischen Anspruchs weitere Nachfolgestaaten der ehemaligen Habsburger-Monarchie ebenfalls Forderungen anmelden könnten. Der jahrzehntelange Streit um den legendären Familienschatz dürfte Österreich daher wohl noch länger beschäftigen.

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