Jahrelang galt Schweden als Vorreiter der bargeldlosen Gesellschaft. Fast alles läuft dort über Karte oder Handy. In einer Umfrage der schwedischen Reichsbank gaben im vergangenen September nur fünf Prozent der Befragten an, ihren letzten Einkauf bar bezahlt zu haben.

Jetzt macht ausgerechnet Stockholm die Rolle rückwärts. Seit dem 1. Juli müssen Lebensmittelgeschäfte und Apotheken in dem skandinavischen Land nach einer Gesetzänderung wieder Bargeld annehmen. Damit will Schweden in Krisen besser gegen technische Ausfälle gewappnet sein – und zugleich Menschen, die mit digitalen Bezahlformen nicht zurechtkommen, nicht ausschließen.

Grund ist ein durchaus ernster. Hinter der neuen Pflicht steht die Angst vor Internet-Sabotage, Blackouts oder gar einem Angriff Russlands – und die Erfahrung, dass die digitale Infrastruktur verwundbar ist. Allein 2024 kam es zu über 180 Vorfällen beim Bezahldienst Swish, im Frühjahr 2025 waren Swish und der wichtige Identifizierungsdienst Bank-ID mehrfach stundenlang durch Cyberangriffe nicht erreichbar. Für den Krisenfall empfiehlt die Reichsbank ihren Bürgern inzwischen, umgerechnet rund 90 Euro Bargeld zu Hause zu haben – genug, um das Nötigste zu kaufen.

Der Handel murrt

Ein echtes Bargeld-Comeback ist die Reform trotzdem nicht. Von der Regel gibt es zahlreiche Ausnahmen, etwa für Supermärkte ohne bemannte Kassen oder Läden, in denen die Annahme von Bargeld Mitarbeiter gefährden würde. Und nicht alle spielen mit: Laut der Nachrichtenagentur TT haben einige Läden bereits angekündigt, sich nicht an die neue Pflicht halten zu wollen.

Bei denen, die das Gesetz begrüßen, klingt es anders. „In manchen Situationen, wenn die Technik streikt, können Münzen und Scheine die einzige Bezahlform sein, die funktioniert”, sagte Carlos Cancino von der Supermarktkette Coop der Agentur TT.

Und Österreich?

Schweden ist mit dem Kurswechsel nicht allein. Die Slowakei hat bereits 2023 das Recht auf Bargeld in der Verfassung verankert. In Österreich hingegen fand ein vergleichbarer Vorstoß bislang keine Mehrheit: Gefordert hatte solche Maßnahmen bisher nur die FPÖ – ÖVP, SPÖ, Grüne und Neos ließen das Ansinnen ebenso liegen wie ein entsprechendes Volksbegehren.

Während Brüssel am digitalen Euro arbeitet, macht der Norden also den umgekehrten Schritt. Die Frage, die Schweden gerade beantwortet, dürfte früher oder später auch in Wien auf dem Tisch liegen: Was ist ein Zahlungssystem wert, wenn im Ernstfall der Strom weg ist?