Auslöser der Debatte war die Ankündigung von Grosz’ neuem Buch „Ab nach Hause“ im Schaukasten der Stadtbücherei Melk. Das Werk, das sich mit Asyl- und Migrationspolitik beschäftigt, war ursprünglich in das Angebot der Bibliothek aufgenommen worden, nachdem mehrere Anfragen von Lesern eingegangen waren. Doch die Bewerbung des Buches sorgte bei einigen Besuchern für Unmut. Ein Bibliotheksnutzer kritisierte, eine Stadtgemeinde solle keine „hetzerischen politischen Werke“ bewerben.

Stadtchef verteidigt Entscheidung

In der Folge wurde das Buch wieder aus dem Programm genommen. Melks Bürgermeister Patrick Strobl begründete den Schritt gegenüber Medien damit, dass eine Stadtgemeinde keine politischen Werke mit provokantem oder polarisierendem Inhalt aktiv bewerben solle.

Die Entscheidung löste unterschiedliche Reaktionen aus. Während manche den Schritt unterstützen, sehen andere darin einen problematischen Eingriff in die Meinungs- und Informationsfreiheit.

Grosz spricht von Zensur

Gerald Grosz reagierte scharf auf die Entscheidung. Der Polit-Blogger bezeichnete die Entfernung seines Buches als „skandalösen Akt der Zensur“ und warf der ÖVP politischen Druck vor.

In seiner Kritik stellte Grosz die Frage, ob als nächster Schritt sogar Bücher verbrannt würden. Zudem sprach er von einem „Hofknicks“ gegenüber linken und progressiven Kräften.

Debatte über politische Literatur

Der Fall wirft erneut die Frage auf, wie öffentliche Bibliotheken mit politisch kontroversen Werken umgehen sollen. Einerseits verstehen sich Bibliotheken als Orte der Meinungsvielfalt und des freien Zugangs zu Literatur. Andererseits wird immer wieder diskutiert, welche Inhalte von öffentlichen Einrichtungen aktiv beworben werden sollten.

Das Buch „Ab nach Hause“, erschienen im Leopold Stocker Verlag, beschäftigt sich mit der aktuellen Asylpolitik und präsentiert nach Angaben des Autors alternative politische Lösungsansätze. Ob die Entscheidung der Stadtbibliothek endgültig bleibt oder nochmals überprüft wird, ist derzeit offen. Klar ist jedoch: Die Entfernung des Buches hat eine Debatte ausgelöst, die weit über Melk hinaus Aufmerksamkeit erregt und Fragen nach Meinungsfreiheit, politischer Neutralität und dem Auftrag öffentlicher Bibliotheken aufwirft.