Die Gewaltszenen spielten sich tagsüber an einer Tankstelle im Grazer Bezirk Lend ab. Zahlreiche unbeteiligte Personen, darunter Familien mit Kindern, wurden Zeugen der brutalen Auseinandersetzung. Laut Prozessberichten entwickelte sich die Situation innerhalb weniger Augenblicke zu einer Massenschlägerei. Ein Anwalt beschrieb die Szenen als regelrechten „Bürgerkrieg“ und verwies darauf, dass die Gewalt lebensgefährliche Ausmaße angenommen habe. Auslöser des Konflikts soll ein Streit um eine Frau gewesen sein. Nach Angaben eines Verteidigers seien Provokationen über Nachrichten dem Vorfall vorausgegangen, berichtet die Heute.

Auto raste auf Kontrahenten zu

Besonders schwer wogen die Vorwürfe gegen die drei syrischen Angeklagten. Überwachungsvideos zeigten laut Gericht, wie einer von ihnen mit seinem Fahrzeug in Richtung der Tankstelle fuhr. Ein Kontrahent habe sich nur durch einen Sprung in Sicherheit bringen können.

Anschließend eskalierte die Situation endgültig. Die Männer gingen mit Fäusten, Baseballschlägern und einem Wagenheber aufeinander los. Ein Beteiligter erlitt dabei einen Augenhöhlenbruch und kämpft laut seinem Anwalt noch immer mit den Folgen der Verletzungen.

Alle Angeklagten vorbestraft

Vor dem Straflandesgericht Graz mussten sich die sechs Männer im Alter zwischen 21 und 28 Jahren verantworten. Staatsanwältin Julia Steiner warf allen Beteiligten Raufhandel vor. Gegen die Haupttäter wurden zusätzlich Anklagen wegen Nötigung und versuchter absichtlicher schwerer Körperverletzung erhoben.

Alle sechs Angeklagten waren bereits vorbestraft. Vor Gericht zeigten sie sich großteils geständig

Richter übt scharfe Kritik

Der vorsitzende Richter Andreas Lenz fand deutliche Worte für das Verhalten der Angeklagten. Niemand benötige in Österreich Schlagringe oder Baseballschläger im Auto, um Konflikte auszutragen, stellte er klar.

Das Schöffengericht verhängte gegen die drei kosovarischen Angeklagten Strafen von einer Diversion bis hin zu acht Monaten unbedingter Haft. Deutlich schwerer fielen die Urteile gegen die drei syrischen Angeklagten aus. Sie wurden zu Freiheitsstrafen zwischen zweieinhalb und sechs Jahren verurteilt. Mit den Urteilen reagierte das Gericht auf die massive Gewaltbereitschaft und die erhebliche Gefährdung unbeteiligter Personen, die sich während der Auseinandersetzung auf dem Tankstellengelände befanden.