Als Andy Burnham vor die Tür der Downing Street 10 tritt, übernimmt er ein Land, das seit Jahren von politischer Instabilität geprägt ist. Nach Keir Starmer, der sich trotz Wahlsiegs nur etwas mehr als zwei Jahre im Amt halten konnte, soll nun der nächste Labour-Politiker das Ruder herumreißen.

Seit dem Brexit-Votum 2016 wechselte die Führung in London im Rekordtempo. Theresa May scheiterte am Brexit-Dilemma, Boris Johnson stolperte über zahlreiche Skandale, Liz Truss hielt sich nach ihrem wirtschaftspolitischen Fehlstart gerade einmal 49 Tage im Amt. Auch Rishi Sunak konnte die tiefen Probleme des Landes nicht lösen, berichtet Die Kleine Zeitung.

Der Brexit wirkt bis heute nach

Als Hauptursache für die politische Dauerkrise gilt weiterhin der Brexit. Das knappe Referendum von 2016 hinterließ tiefe gesellschaftliche und politische Gräben, die bis heute nicht überwunden sind.

Jede Regierung musste sich mit den wirtschaftlichen und politischen Folgen des EU-Austritts auseinandersetzen – häufig ohne überzeugende Antworten liefern zu können. Das Vertrauen vieler Briten in die Politik schwand dadurch zunehmend.

Neben den Brexit-Folgen belasten zahlreiche Alltagsprobleme die Bevölkerung. Das staatliche Gesundheitssystem NHS kämpft mit enormen Schwierigkeiten, die Infrastruktur gilt vielerorts als marode und die stark gestiegenen Lebenshaltungskosten setzen Millionen Haushalten unter Druck.

Burnham kündigte deshalb bereits erste Maßnahmen an. So will er unter anderem die Pläne seines Vorgängers für einen digitalen Personalausweis stoppen. Die dafür vorgesehenen Milliarden sollen stattdessen in Projekte fließen, die den Menschen unmittelbar zugutekommen.

Neue Konkurrenz für die Traditionsparteien

Während Labour und die Konservativen früher die britische Politik nahezu allein bestimmten, hat sich das Parteiensystem deutlich verändert.

Vor allem Nigel Farage und seine Partei Reform UK gewinnen zunehmend an Einfluss und nehmen den beiden großen Parteien immer mehr Stimmen ab. Dadurch wird das traditionelle Mehrheitswahlsystem zunehmend auf die Probe gestellt.

Das britische Wahlsystem sorgte jahrzehntelang für stabile Mehrheiten. Doch mit der zunehmenden Zersplitterung der Parteienlandschaft zeigt es immer größere Schwächen.

Da in jedem Wahlkreis nur der Kandidat mit den meisten Stimmen gewinnt, bleiben Millionen Stimmen kleinerer Parteien ohne parlamentarische Wirkung. Der Rückhalt für die jeweiligen Regierungen nimmt dadurch immer weiter ab.

Burnham setzt auf einen Neuanfang

Der neue Premierminister will nach eigenen Angaben wieder näher an die Bürger rücken und den Regionen mehr Entscheidungsfreiheit geben. Entscheidungen sollen künftig stärker vor Ort getroffen werden, statt ausschließlich in London.

Ob Andy Burnham die Serie kurzlebiger Regierungschefs tatsächlich beenden kann, bleibt offen. Fest steht jedoch: Nach Jahren politischer Turbulenzen steht Großbritannien erneut vor einem entscheidenden Neuanfang – und die Erwartungen an den neuen Premierminister sind entsprechend hoch.