Auslöser der Unruhen war die Veröffentlichung eines Videos, das einen brutalen Messerangriff zeigt. Darin ist zu sehen, wie ein Mann auf einen bereits am Boden liegenden und schwer verletzten Menschen einsticht. Für die Tat wird ein 30-jähriger Sudanese verantwortlich gemacht, der mittlerweile wegen versuchten Mordes angeklagt wurde.
Autos und Häuser in Brand gesetzt
Bei den Demonstrationen am Dienstag eskalierte die Lage. Mehrere Fahrzeuge und Wohnhäuser wurden in Brand gesteckt. Die Polizei musste Wasserwerfer einsetzen, nachdem Demonstranten Steine, Flaschen und andere Gegenstände auf Einsatzkräfte geworfen hatten.
Maskierte Personen rissen Ziegelsteine aus Mauern und nutzten Zaunteile als Barrikaden. Mehrere Familien mussten aus ihren Häusern gerettet werden. Laut Polizei wurde unter anderem ein erst zwei Monate altes Baby in Sicherheit gebracht.
Schulen schließen, Nahverkehr steht still
Aus Sorge vor weiteren Ausschreitungen beendeten mehrere Schulen den Unterricht vorzeitig. Der öffentliche Verkehr mit Bussen und Zügen wurde vorübergehend eingestellt. Zahlreiche Geschäfte blieben geschlossen.
Die Polizei kündigte an, zusätzliche Kräfte aus anderen Teilen des Vereinigten Königreichs anzufordern. Bislang wurden drei Personen festgenommen. Nordirlands Polizeichef Jon Boutcher verurteilte die Ausschreitungen scharf. Er sprach von einem „massiven Akt der Selbstzerstörung durch hirnlose Idioten“. Gleichzeitig appellierte er an die Bevölkerung, sich nicht von sozialen Medien zu weiterer Gewalt anstacheln zu lassen.
Premierminister Keir Starmer kündigte an, die Verantwortlichen würden die „volle Härte des Gesetzes“ zu spüren bekommen. Die Vorfälle seien „schockierend und völlig inakzeptabel“.
Messerattacke In Belfast Sudanese Kam Ueber Dublin Jetzt Brennt Die Stadt
Familie des Opfers mahnt zur Besonnenheit
Die Angehörigen des Messeropfers wandten sich unterdessen gegen eine politische Instrumentalisierung der Tat. In einer öffentlichen Erklärung betonten sie, dass die Tragödie nicht dazu genutzt werden dürfe, Menschen gegeneinander aufzubringen oder Fremdenfeindlichkeit zu schüren.
Viele Migranten würden einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten, insbesondere im Gesundheitswesen, hieß es weiter.
Debatte über Rolle sozialer Medien
Kritik gibt es auch an der Rolle sozialer Netzwerke. Die Labour-Politikerin Anna Turley warf Online-Plattformen vor, zur Eskalation beigetragen zu haben. Insbesondere kritisierte sie den Tech-Unternehmer Elon Musk, der Beiträge rechtsextremer Aktivisten verbreitet und Protestierende dazu aufgerufen habe, „laut und wiederholt“ auf die Straße zu gehen.
Auch Volker Türk forderte mehr Verantwortung von Plattformbetreibern. Hassrede, Entmenschlichung und Gewaltaufrufe dürften im digitalen Raum nicht toleriert werden. Der Tatverdächtige Hadi A. wurde inzwischen einem Richter vorgeführt. Dem Mann wird versuchter Mord vorgeworfen. Nach Angaben des Gerichts verlor das Opfer durch den Angriff ein Auge. Eine Freilassung auf Kaution wurde abgelehnt.
Die Polizei erklärte, der Beschuldigte sei bislang nicht polizeibekannt gewesen. Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund gebe es derzeit nicht. Der Mann soll sich seit 2023 in Nordirland aufhalten.

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