Ein KI-Start-up mit prominentem Namen steht unter Betrugsverdacht: Phia, die Shopping-App von Bill-Gates-Tochter Phoebe Gates, soll sich Provisionen für Online-Käufe gesichert haben, an denen sie gar nicht beteiligt war. Das Unternehmen spricht von einem Versehen – Experten halten das für wenig glaubwürdig.

Im Zentrum steht eine Browsererweiterung, die eigentlich nur Preise vergleichen und Rabattcodes finden soll. Auf mehr als 220.000 Seiten verspricht die App ihren Nutzern, sie würden „nie zu viel bezahlen”. Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, machte die App im Hintergrund aber offenbar etwas ganz anderes.

„Niemand baut einen Schalter für einen Zufall"

Der Vorwurf lautet auf „Cookie Stuffing”: Beim Bezahlvorgang soll Phia im Hintergrund einen zusätzlichen Tab geöffnet und den eigenen Affiliate-Code eingeschleust haben – teils sogar dann, wenn bereits ein legitimer Verweis eines anderen Anbieters gesetzt war. Über solche Affiliate-Codes lässt sich nachvollziehen, über welchen Weg ein Kunde bei einem Händler gelandet ist – und wer dafür die Provision kassiert.

Getestet wurde die Erweiterung nicht nur von Bloomberg, sondern auch vom Konkurrenzdienst Capital One Shopping und vom Affiliate-Marketing-Experten Ben Edelman. Edelman prüfte den öffentlich einsehbaren Code und kam zu dem Schluss, die App sei darauf ausgelegt gewesen, Provisionen auch dann zu beanspruchen, wenn Nutzer nie auf einen Phia-Link geklickt hatten. Von einem Versehen will er nichts wissen: „Es gibt eine Einstellung, um das ein- und auszuschalten. Niemand baut einen Schalter für etwas, das versehentlich passiert und das der eigene Code nie tun sollte”, so Edelman.

Besonders brisant: Laut Edelman verschaffte der Code dem Unternehmen einen erheblichen finanziellen Vorteil – Phia habe sich für bis zu zehnmal so viele Käufe die Lorbeeren einstreichen können, wie es tatsächlich beeinflusst hatte.

Melinda Gates und Phoebe Gates bei den Albie Awards der Clooney Foundation for Justice in der New York Public Library am 26. September 2024 in New York.
Melinda Gates und Phoebe Gates bei den Albie Awards der Clooney Foundation for Justice in der New York Public Library am 26. September 2024 in New York.

Netzwerk kappt die Zusammenarbeit

Phia selbst weist einen bewussten Betrug zurück. Gegenüber Bloomberg erklärte ein Sprecher, man habe „stets Compliance gewahrt”, und stufte das Verhalten als unbeabsichtigten Fehler ein. Der beanstandete Code sei bereits im Dezember 2025 in die Quelltexte gelangt und inzwischen behoben worden. Nachdem Bloomberg die App erneut getestet hatte, trat das kritisierte Verhalten nach Angaben der Agentur nicht mehr auf.

Folgenlos bleibt der Fall dennoch nicht. Das Affiliate-Netzwerk Impact.com sperrte Phias Konto mit Verweis auf Regelverstöße. Und der Ärger reiht sich in ältere Vorbehalte ein: Bereits 2025 hatten Sicherheitsforscher moniert, dass Phia den Browserverlauf der Nutzer aufzeichne – bis hin zu sensiblen Daten wie Kontoauszügen und persönlichen E-Mails.

Prominente Geldgeber, prominente Gründerin

Der Fall trifft ein Unternehmen, das mit viel Rückenwind gestartet war. Phia wurde 2025 von Phoebe Gates und ihrer früheren Stanford-Studienkollegin Sophia Kianni gegründet und sammelte 43,5 Millionen Dollar von Investoren ein – darunter prominente Namen wie Paris Hilton, Khloé Kardashian und Sydney Sweeney. Bewertet wird das Start-up mit rund 185 Millionen Dollar.

Ein Déjà-vu bleibt: Schon der Bezahldienst-Ableger Honey von PayPal war wegen ähnlicher Vorwürfe in die Kritik geraten – ein Sammelklageverfahren dazu läuft bis heute. Ob es bei Phia bei einem „behobenen Fehler” bleibt oder ob weitere Netzwerke nachziehen, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen.