Es ist genau jene Zone, in der Messer eigentlich verboten sind – und trotzdem floss am Dienstagabend Blut. In der Senefeldergasse in Wien-Favoriten, nur einen Steinwurf vom Viktor-Adler-Markt entfernt, eskalierte gegen 20 Uhr eine Auseinandersetzung zwischen mehreren Männern völlig. Was folgte, glich einer offenen Straßenschlacht.
Mehrere Angreifer prügelten und traten auf zwei junge Männer ein, ehe die Messer gezückt wurden. Die Opfer gingen nach gezielten Tritten gegen Kopf und Gesicht zu Boden und blieben regungslos liegen. Ein Leserreporter-Video hielt die verstörenden Szenen fest. Passanten schlugen umgehend Alarm.
Ein Opfer schwebte in Lebensgefahr
Als die Polizei eintraf, fanden die Einsatzkräfte zwei schwer verletzte Männer vor. Ein 20-Jähriger hatte Schnitt- und Stichverletzungen an beiden Armen sowie an einem Bein davongetragen. Weit schlimmer traf es einen 23-Jährigen: Er erlitt eine lebensgefährliche Stichwunde im Oberkörper. Die Wiener Berufsrettung versorgte beide vor Ort und brachte sie ins Spital. Inzwischen ist der 23-Jährige außer Lebensgefahr, sein Zustand stabil.
Von den Tätern fehlt jede Spur. Zeugen gaben an, die Attacke selbst nicht gesehen zu haben – sie hätten aber lautes Geschrei gehört und beobachtet, wie eine Gruppe Jugendlicher mit einem Messer vom Tatort floh. Bei den mutmaßlichen Angreifern dürfte es sich laut „oe24″ um vier Personen handeln. Die sofort eingeleitete Fahndung mit Bereitschaftseinheit und Diensthunden blieb erfolglos. Das Landeskriminalamt Wien, Außenstelle Süd, hat die Ermittlungen übernommen.
„Betreten auf eigene Gefahr wegen Talahons"
Für viele Anrainer ist die Bluttat kein Einzelfall, sondern trauriger Alltag. Ein Familienvater aus dem Grätzl zieht nach zahllosen Negativerlebnissen nun die Reißleine. „Wir planen einen Umzug”, sagt er gegenüber „Heute”. Es solle in eine ruhigere Gegend gehen, denn: „Allgemein ist es in Wien nicht mehr sicher.”
Seine Sorge gilt der Familie: „Man weiß nie, was solchen Menschen in den Kopf kommt.” Woche für Woche komme es in seinem Viertel zu solchen Gewalttaten, schildert er – man traue sich kaum noch, alltägliche Erledigungen zu machen, und um den Markt mache man besser einen Bogen. Vom Staat fühlt er sich im Stich gelassen. Sein bitteres Fazit: Wenn Polizei und Regierung nichts unternähmen, sollten sie wenigstens Schilder aufstellen – „Betreten auf eigene Gefahr wegen Talahons”.
Zone da – Messer trotzdem
Pikant: Der Tatort liegt mitten in der Waffenverbotszone Innerfavoriten, die genau solche Bluttaten verhindern soll. Die Zone gilt seit März 2024 rund um Reumann- und Keplerplatz und wurde seither wiederholt verlängert. Innerhalb eines Jahres wurden dort laut „Der Standard” 146 Waffen sichergestellt, darunter 101 Messer. Die Polizei sprach zuletzt von einer spürbaren Verbesserung – Experten zweifeln laut „Vienna Online” hingegen an der präventiven Wirkung solcher Zonen. Die Senefeldergasse liefert dazu am Dienstag ein blutiges Argument.

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