Die britischen Behörden registrierten am Montag insgesamt 710 Migranten, die mit kleinen Booten den Ärmelkanal überquerten und Großbritannien erreichten. Damit wurde der bisher höchste Tageswert des Jahres verzeichnet.

Bemerkenswert ist dabei, dass zwischen dem 1. und 14. Juni überhaupt keine Ankünfte gemeldet worden waren. Der plötzliche Anstieg verdeutlicht, wie stark die Überfahrten von Wetterbedingungen und den Aktivitäten von Schleusernetzwerken abhängen.

Fast 10.000 Ankünfte seit Jahresbeginn

Erst im April hatten United Kingdom und France ein neues Abkommen zur Eindämmung der irregulären Migration beschlossen.

Dafür erhöhte London seine finanziellen Beiträge für Grenzschutzmaßnahmen deutlich. Die Mittel wurden für den Zeitraum 2023 bis 2026 von 540 Millionen auf 766 Millionen Euro aufgestockt.

Das Abkommen sieht unter anderem vor:

  • mehr Sicherheitskräfte an der französischen Küste,
  • verstärkte Überwachung durch Kameras,
  • den Einsatz von Drohnen,
  • zusätzliche Hubschrauberpatrouillen.

Der britische Premierminister Keir Starmer bezeichnete die Vereinbarung als „historisch“. Trotz der jüngsten Rekordzahl liegt die Gesamtzahl der Ankünfte bislang unter dem Vorjahresniveau. Seit Jahresbeginn gelangten laut Behördenangaben 9.852 Menschen auf diesem Weg nach Großbritannien.

Das entspricht einem Rückgang von rund 40 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Dennoch bleibt die Route über den Ärmelkanal eine der wichtigsten Migrationsstrecken nach Großbritannien. Seit 2018 haben nach offiziellen Angaben mehr als 200.000 Menschen die Überfahrt in kleinen Booten gewagt.

Gefährliche Route fordert weiterhin Menschenleben

Die Überquerung des Ärmelkanals zählt zu den gefährlichsten Fluchtrouten Europas. Die meisten Boote starten von der nordfranzösischen Küste und sind häufig überladen oder nur unzureichend seetüchtig.

Im Jahr 2025 kamen bei Überfahrten laut Medienberichten mindestens 29 Menschen ums Leben. Im laufenden Jahr wurden bereits sechs Todesopfer registriert. Die Migration über den Ärmelkanal bleibt eines der wichtigsten innenpolitischen Themen in Großbritannien.

Starmers Vorgänger Rishi Sunak war mit seinem Versprechen „Stop the Boats“ gescheitert. Die aktuelle Regierung setzt stattdessen auf die Bekämpfung von Schleusernetzwerken und wirbt mit dem Ansatz „Smash the Gangs“.

Die jüngsten Zahlen zeigen jedoch, dass auch die neue Strategie bislang keine dauerhafte Lösung für das Problem gefunden hat. Während die Gesamtzahlen rückläufig sind, können einzelne Tage weiterhin von massiven Ankunftswellen geprägt sein.