Auslöser der Kontroverse sind geleakte Gesprächsprotokolle, in denen Ruck unter anderem abfällige Bemerkungen über Oberösterreichs Industrie sowie über Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer gemacht haben soll.
Ludwig reagierte darauf zurückhaltend. Den genauen Wortlaut der Gespräche kenne er nicht, betonte der Bürgermeister.
„Ich kenne Walter Ruck jedenfalls anders – als umsichtigen und vertrauensvollen Gesprächspartner“, erklärte Ludwig laut Kronen Zeitung.
Lob für die Zusammenarbeit
Der Wiener Stadtchef hob die enge Kooperation zwischen Stadt Wien und Wirtschaftskammer hervor. Diese habe in den vergangenen Jahren maßgeblich zur wirtschaftlichen Entwicklung der Bundeshauptstadt beigetragen.
Ludwig verwies auf drei Jahre Wirtschaftswachstum, einen Rekordstand von rund 945.000 Beschäftigten sowie zahlreiche gemeinsame Projekte mit internationaler Strahlkraft.
Dass die enge Zusammenarbeit zwischen SPÖ und Wirtschaftskammer nicht überall auf Zustimmung stößt, räumte Ludwig offen ein.
Sowohl in seiner eigenen Partei als auch innerhalb der ÖVP gebe es immer wieder Kritik. Dennoch sei es wichtiger, gemeinsam für Wien zu arbeiten, als parteipolitische Interessen in den Vordergrund zu stellen.
Auch Ludwig in den Protokollen erwähnt
Der Bürgermeister selbst taucht ebenfalls in den veröffentlichten Gesprächsprotokollen auf. Dabei geht es um die Bestellung des früheren Wiener ÖVP-Chefs Manfred Juraczka zum zweiten Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien.
Da die Wirtschaftskammer traditionell das Vorschlagsrecht für diesen Posten habe, habe er sich in die Personalentscheidung nicht eingemischt, betonte Ludwig. Auf eine Ausschreibung sei aufgrund eines Rechtsgutachtens verzichtet worden.
Von „Freunderlwirtschaft“ könne daher keine Rede sein. Trotz der anhaltenden Diskussion rechnet der Bürgermeister nicht damit, dass Walter Ruck sein Amt niederlegen wird. Im Gegenteil: Die gemeinsame Arbeit werde fortgesetzt.
„Charakterstärke zeigt sich immer bei Gegenwind“, sagte Ludwig und zeigte sich überzeugt, dass die geplanten Projekte zwischen Stadt Wien und Wirtschaftskammer auch künftig gemeinsam umgesetzt werden.
Zudem erinnerte er daran, dass Ruck erst vor Kurzem mit großer Mehrheit als Präsident des Wiener Wirtschaftsbundes bestätigt worden sei und weiterhin Rückhalt innerhalb seiner Organisation genieße.
SWV fordert Konsequenzen
Während Ludwig seinem langjährigen Verhandlungspartner den Rücken stärkt, schlägt der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband (SWV Wien) einen deutlich schärferen Ton an. Die roten Wirtschaftsvertreter forderten Walter Ruck auf, Konsequenzen zu ziehen und das Amt nicht weiter zu beschädigen.
Damit zeigt sich auch innerhalb des sozialdemokratischen Lagers ein unterschiedlicher Umgang mit der Affäre um den Wiener Wirtschaftskammerpräsidenten.

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