Wenn es um die vermeintliche Panikmache anderer geht, sind die Grünen schnell zur Stelle. Doch nun verbreitet die frühere Klimaministerin Leonore Gewessler auf Instagram selbst ein Schreckensszenario – und stützt es auf eine Prognose, die selbst ORF-Meteorologen für unseriös halten.
Gewessler postete einen Screenshot einer Wetter-App mit Werten für die ersten Augusttage: bis zu 43 Grad, „gefühlt” sogar 49 Grad. Dazu schrieb sie: „Leute, das, was uns da bevorsteht, macht mir wirklich Sorgen.” Die Botschaft mündet in einem Aufruf, eine Hitzeschutz-Petition der Grünen zu unterschreiben – „Link in der Bio”.
43 Grad? Die Fachleute winken ab
Besonders brisant: Die spektakulären 43 Grad, die sich „wie 49 Grad anfühlen” sollen, stammen aus der 16-Tage-Vorhersage des Portals wetter.com für Dienstag, den 4. August. Es ist genau jene Zahl, die diese Woche durch die heimischen Boulevard-Medien geisterte – und die Fachleute umgehend einbremsten.
Ö3- und ORF-Meteorologe Simon Köhldorfer sagte auf die Frage, ob Österreich wirklich 42 Grad drohen, klar Nein. Er kritisierte dabei ausdrücklich die Wetter-Apps: „Es gibt verschiedene Wettermodelle, und die Apps greifen auf das ein oder andere zurück”, vor allem wetter.com würde bei den Prognosen stets übertreiben. „Das ist sehr unseriös.”
Auch ORF-Meteorologe Marcus Wadsak, den man kaum der Klimawandel-Leugnung verdächtigen wird, ging auf Distanz. Er distanzierte sich auf Facebook von den kolportierten 40 Grad und mehr – diese Ankündigung komme von einer Wetter-App, mit der er nichts zu tun habe. Für die kommende Woche schätzt er 37 oder 38 Grad, je nach Lage.
Einen einzelnen Wert anzugeben ist „unseriös"
Auf dem Instagram-Kanal von ORF Wien heißt es sinngemäß, einen einzelnen Temperaturwert für eine Prognose anzugeben, die über eine Woche hinausgeht, sei schlicht unseriös und Clickbait. Für die ersten Augusttage sehe man tatsächlich Höchstwerte von 34 bis nahe 40 Grad. Eine neue, mindestens einwöchige Hitzewelle sei zu erwarten – ob es dann exakt 40 Grad würden, lasse sich seriös aber nicht sagen.
Ein Blick in die Rohdaten stützt die Spannbreite: Das US-Modell GFS sieht bis zum 4. August rund 41,8 Grad, das europäische ECMWF am 5. August 40,2 Grad – mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass Prognosen über einen längeren Zeitraum mit Vorsicht zu genießen sind. Zur Einordnung: Der österreichische Allzeit-Rekord liegt bei 40,5 Grad.
Dass eine reale Hitzewelle bevorsteht, bestreitet niemand. Wadsak spricht bereits jetzt von der längsten Hitzewelle der Messgeschichte – 33 Tage in Folge über 30 Grad. Die Frage ist eine andere: ob man mit dem obersten, von Experten als „sehr unseriös” abgestempelten Wert einer einzelnen App politisch mobilisieren sollte – während man derselben Methode bei anderen Themen vorwirft, sie schüre Angst.
Die Grünen werfen dem politischen Gegner regelmäßig vor, bei Migration und innerer Sicherheit mit dramatisierten Zahlen Panik zu machen. Beim eigenen Kernthema greift man nun offenbar zum selben Werkzeug – nur mit einem Wetter-Screenshot statt einer Kriminalstatistik.

Kommentare
Lädt Kommentare...