Das Video verbreitet sich derzeit rasant in sozialen Netzwerken. Zu sehen ist eine junge Frau mit pinken Haaren, die auf den Terroranschlag in Berlin reagiert. Zunächst stellt sie selbst unmissverständlich fest: „Der Verdächtige ist ein islamischer Extremist.“ Wegen der Tat eines einzelnen Menschen wolle sie jedoch „nichts über den Rest der muslimischen Bevölkerung sagen“.
Dann nimmt ihre Wortmeldung eine bemerkenswerte Wendung. „Was ich aber sagen kann, ist, dass die Leute, die darüber gejubelt haben, allesamt weiße Männer waren – junge weiße Männer mit Kreuzen in ihren Profilen“, erklärt sie.
Man habe schließlich gesehen, wie diese Männer auf Homosexuelle reagierten und ihnen ständig Schlechtes wünschten. Gerade bei Videos über Transmenschen erhalte sie laufend Hass von ihnen.
„In Wahrheit seid ihr die Gewalttätigen“
Dann wird ihre Aussage noch schärfer. Die wahren Gewalttätigen seien weiße, christliche Männer: „Ihr werdet euch nicht hinter einer anderen Gruppe als Sündenbock verstecken und so tun, als wären in Wahrheit die anderen die Gewalttätigen – obwohl ihr es seid“, sagt sie.
Schließlich stellt sie die angesprochenen weißen Männer sogar ideologisch auf eine Stufe mit dem islamistischen Attentäter: „Ihr habt exakt dieselben Überzeugungen wie der Mann, der diesen Anschlag verübt hat, und jetzt versucht ihr, euch von ihm zu distanzieren.“
Der Grund dafür sei Scham: „Und das solltet ihr auch.“ Die Identität der Frau ist bislang nicht verlässlich bekannt.
Gad Saad: „Suizidale Empathie“
Einer der prominentesten Kritiker des Videos ist der in Kanada lebende Evolutions- und Verhaltenswissenschaftler Gad Saad. Er fasste seine Sicht auf X drastisch zusammen: Ein Islamist greife Menschen bei einer Pride-Parade an – und eine „weiße liberale Frau mit aposematischer Haarfärbung“ komme zu dem Schluss, weiße Männer seien schuld. Mit der „aposematischen Haarfärbung“ spielt Saad auf die auffälligen Warnfarben im Tierreich an.
Dann fällt sein eigentliches Schlagwort: „Suicidal Empathy is a fatal disease of the human spirit.“ Auf Deutsch: „Suizidale Empathie ist eine tödliche Krankheit des menschlichen Geistes.“
Saad verwendet den Ausdruck für eine Form von Empathie, die seiner Ansicht nach so weit geht, dass eine Gesellschaft aus Rücksicht auf bestimmte Gruppen Gefahren nicht mehr offen benennt – und dadurch ihre eigenen Interessen und Werte beschädigt.
Elon Musk: „Sie folgt ihrer Programmierung wie ein Roboter“
Saads Beitrag blieb nicht unbeachtet. Elon Musk schaltete sich persönlich in die Debatte ein. Der Tech-Milliardär antwortete auf Saads Posting: „Sie wurde darauf programmiert, ausschließlich heterosexuellen weißen Männern die Schuld für alles zu geben. Also folgt sie ihrer Programmierung wie ein Roboter.“
Ein Video entfacht eine Debatte
Die Frau lehnt eine Verallgemeinerung von der Tat eines Islamisten auf Muslime ausdrücklich ab. Wenige Sätze später nimmt sie selbst eine Gruppe ins Visier: junge weiße Männer mit christlichen Symbolen in ihren Profilen.
Das ruft auch Gad Saad und Elon Musk auf den Plan – und aus einem kurzen Social-Media-Video ist binnen weniger Stunden eine internationale Debatte geworden.

Kommentare
Lädt Kommentare...