Fauci empfahl dem amerikanischen Geheimdienst handverlesene Experten, die den Laborursprung des Coronavirus als Verschwörungstheorie brandmarkten, obwohl in seinen eigenen Kreisen gewichtige Anhaltspunkte für eine künstliche Herkunft des Virus vorlagen. Inzwischen gilt die Laborthese vielen Beobachtern als die plausibelste Erklärung.
Warum lügt ein Mann vor dem Kongress? Unter Eid? Tatsache ist, dass die Gain-of-Function-Forschung, die Jahre vor dem Ausbruch in Wuhan betrieben wurde, in seinen Verantwortungsbereich fiel. Offensichtlich ging es auch darum, den Verdacht von den eigenen Forschungsnetzwerken fernzuhalten. Was die betreiben, steht schon seit Jahren in der Kritik.
In seinem Buch “Der Staatsvirus” hat der Arzt Dr. Gunter Frank die Vertuschung anhand einer E-Mail Korrespondenz rekonstruiert, die im Anschluss an eine interne Telefonkonferenz Ende Januar und Anfang Februar 2020 folgte. Damals hielten einige Wissenschaftler den Laborursprung von SARS-CoV-2 bereits für gut möglich; manche favorisierten diese These sogar, weil sie sich die sogenannte Furin-Spaltstelle – ein außergewöhnliches Merkmal des Coronavirus – nur durch Eingriffe im Labor erklären konnten.
Sie wollten nicht ins Fadenkreuz geraten
Vor der Telefonkonferenz am 1. Februar 2020 riet Anthony Fauci seinen Kollegen noch, „Bedenken zur Herkunft den jeweiligen nationalen Behörden zwecks Aufklärung zu melden“. Doch nach der Telefonkonferenz, so fasst Gunter Frank zusammen, „gewinnt die Sorge Oberhand, was passieren würde, wenn die Laborthese öffentlich als mögliche Ursache der Corona-Pandemie diskutiert würde. Sie machen sich Sorgen, dann selbst als die Schuldigen zu gelten.“
Um nicht selbst ins Fadenkreuz zu geraten, diskutierten die Beteiligten eine Initiative zur Ursprungsklärung „unter dem Schirm der WHO“ sowie den Plan, „eine angesehene Erklärung vorzubringen, bevor diese Debatte mit potenziell enorm schädlichen Auswirkungen außer Kontrolle gerät“. Anthony Fauci warnte, dass die Zeit dränge. Es drohten „weitere Verzerrungen in den sozialen Medien“. Deshalb sei es wichtig, „dass wir schnell handeln“. Weiter schrieb Fauci: „Hoffentlich können wir die WHO zu einem Treffen bewegen.“
Auch Wellcome-Trust-Chef Jeremy Farrar, der die Laborthese in einer E-Mail an Francis Collins und Anthony Fauci selbst als „sehr reale Möglichkeit“ bezeichnete, sprach sich für eine Initiative „unter dem Schirm der WHO“ aus, versehen mit dem Framing: „Die Quelle und die Entwicklung von 2019-nCoV verstehen“.
„So ansteckend wie die Schweinegrippe und so gefährlich wie die Vogelgrippe“
Die Beteiligten begannen daraufhin, ihre Pläne umzusetzen. In den Wochen nach der Telefonkonferenz erschienen in der Fachpresse zwei Beiträge, in denen ein möglicher Laborunfall ausgeschlossen wurde. Der erste erschien Mitte Februar 2020 in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift The Lancet. In diesem Artikel wird die Laborthese kategorisch als Verschwörungstheorie gebrandmarkt. Am 17. März 2020 veröffentlichte ein Forscherteam im Fachjournal Nature Medicine die Studie „The Proximal Origin of SARS-CoV-2“. Der zentrale Satz der Arbeit: „Unsere Analysen zeigen eindeutig, dass SARS-CoV-2 weder ein im Labor hergestelltes Konstrukt noch ein gezielt manipuliertes Virus ist.“
Erst später wurden Fragen nach Faucis eigener Rolle bei der Finanzierung gefährlicher Gain-of-Function-Forschung am Wuhan Institute of Virology laut. Einer der Teilnehmer der Telefonkonferenz war der niederländische Virologe Ron Fouchier. Er gilt als Pionier jener Forschung, bei der natürlich vorkommende Viren im Labor gezielt verändert werden, um ihre Eigenschaften zu untersuchen.
Die Zeit sprach Fouchier bereits 2013 darauf an, Viren zu erschaffen, „die so ansteckend sind wie die Schweinegrippe und so gefährlich wie die Vogelgrippe“. Das wirke „nicht wie seriöse Wissenschaft, sondern erinnert an Frankenstein“. Darauf antwortete Ron Fouchier:
„Das ist übertrieben, so gefährlich ist das nicht. Wir haben die kaum infektiösen Vogelgrippeviren genetisch so verändert, dass sie über die Atemwege – also zum Beispiel beim Niesen oder Husten – übertragen werden. Bei unseren Labor-Frettchen hat das funktioniert: Sie bekamen Fieber, Husten und Schnupfen, Grippesymptome eben. Gestorben sind nur die Tiere, denen wir eine hohe Dosis des Virus direkt in die Lunge gespritzt haben.“
Damit gab sich die Zeit nicht zufrieden. „Dennoch erscheint es irrsinnig, ein Virus absichtlich gefährlicher zu machen, als es bereits ist“, konfrontierte sie ihn.
„Wir haben ihm die Fähigkeit verliehen, von Tier zu Tier zu wandern“
Fouchier entgegnete: „Die Experimente sind keineswegs Irrsinn, sondern sehr wichtig. Wir wissen, dass das Vogelgrippevirus tödlich sein kann und schon jetzt ständig seine Gestalt verändert – dass es infektiös wird, ist also eine reale Gefahr. Anstatt abzuwarten und zu hoffen, dass es nicht zu einer Pandemie kommt, sollten wir uns darauf vorbereiten. Dazu müssen wir Forscher wichtige Fragen klären: Wie sehr muss sich das Virus wandeln, um ansteckend zu werden? Welche Impfstoffe und Medikamente würden gegen eine veränderte Virusvariante helfen? Unsere Versuche könnten Antworten liefern.“
Auf die Frage, welche Erkenntnisse denn noch fehlten, um diese Fragen zu beantworten, erklärte Fouchier: „Viele. Es ist uns zwar gelungen, das Vogelgrippevirus ansteckend zu machen. Wir haben ihm durch Mutationen die Fähigkeit verliehen, von Tier zu Tier zu wandern. Doch wir wissen immer noch nicht genau, warum es das plötzlich konnte. Das wollen wir klären.“
Das US-Gremium für Biosicherheit (NSABB) drängte die Herausgeber allerdings, Fouchiers Studien nicht vollständig zu veröffentlichen. Science stimmte zu und brachte im Juni 2012 nur eine gekürzte Fassung seiner Arbeit heraus.
Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partner-Portal NiUS erschienen.

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