Gegen 9:00 Uhr sei der Wal nicht mehr im Lastkahn gewesen, sagte Jens Schwarck, ein Teammitglied der privaten Rettungsinitiative. Der Konvoi befand sich zu diesem Zeitpunkt etwa 70 Kilometer von Skagen entfernt im Skagerrak. Drohnenaufnahmen eines Nachrichtensenders zeigten zeitweise einen schwimmenden Wal im Wasser.

Ob es Senderdaten gebe, sei bisher unklar, erklärte Schwarck. Auch zum genauen Zustand des Wals oder dazu, wie er von Bord gekommen ist, gab es zunächst keine Angaben. Als gerettet gilt das Tier auch nach der Freisetzung nicht. Nach der langen Liegezeit sei fraglich, ob der Wal noch normal schwimmen und tauchen könne, so der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter. Auch die Frage nach der Nahrungsaufnahme stelle sich wegen der in seinem Maul gefundenen Netzteile. Der Wal sei allen Anzeichen nach alles andere als fit.

Langfristige Überlebenschancen? Wohl kaum

Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) betonte: „Von einer Rettung kann man erst sprechen, wenn sich der Wal zurück im Nordatlantik befindet und dort langfristig überlebt; sich seine Haut wieder vollständig erholt hat; er wieder eigenständig auf Nahrungssuche geht und an Gewicht zunimmt; und seinem natürlichen Verhalten nachgeht.“

Nach Einschätzung von WDC und Internationaler Walfangkommission (IWC) hat der Wal kaum langfristige Überlebenschancen. Ohne funktionierenden Sender bliebe womöglich unbemerkt, wenn das geschwächte Tier binnen Tagen oder Wochen nach dem Freisetzen verenden würde. Die Öffentlichkeit wird den weiteren Weg des Wals nicht verfolgen können. Die Informationen, wo sich der Wal befinde, würden nur den Teammitgliedern der Privatinitiative und dem Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern zur Verfügung gestellt, so die Rechtsanwältin der Initiative, Constanze von der Meden.

Experten halten es zudem für möglich, dass das geschwächte Tier wieder gezielt zur Küste schwimmt. „In verschiedenen Regionen der Welt ist dokumentiert, dass Großwale bei ausgeprägter Erschöpfung vermehrt flache Küstengewässer mit weichem Untergrund aufsuchen“, erklärte das Deutsche Meeresmuseum.

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