Konkret zeigt der sogenannte „Mensch-Umwelt-Monitor” des Umweltbundesamts, für den über 2.000 repräsentativ ausgewählte Österreicher befragt wurden, ein pikantes Muster: Das „Progressive (Klein-)Bürgertum” – überwiegend jüngere, städtische Akademiker mit gutem Einkommen – ist jene Gruppe, die Klimaschutz mit Abstand am enthusiastischsten befürwortet. Und gleichzeitig eine der fleißigsten Flug-Fraktionen des Landes.

Fast alle dafür – und trotzdem ab in den Flieger

Satte 94 Prozent dieser Gruppe geben an, Umwelt- und Klimaschutz „eher” oder „stark” zu unterstützen. Gleichzeitig haben fast 60 Prozent von ihnen in den letzten zwölf Monaten mindestens eine Flugreise unternommen – mehr als in jeder anderen gesellschaftlichen Gruppe. Mit durchschnittlich knapp drei Flügen pro Jahr liegt dieses Milieu klar an der Spitze.

Zum Vergleich: Die „Konservativ-Skeptischen Traditionellen”, denen man beim Thema Klimaschutz gerne Gleichgültigkeit vorwirft, flogen nur zu 23 Prozent überhaupt – also deutlich seltener.

Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander

Die Erklärung liegt zumindest teilweise auf der Hand: Einkommensschwächere Milieus fliegen schon aus finanziellen Gründen seltener. Das Progressive (Klein-)Bürgertum hingegen – mit einem durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommen von knapp 4.900 Euro pro Monat – kann sich Flugreisen schlicht leisten. Und nimmt sie sich auch.

Auch beim Wohnen zeigt sich dasselbe Bild: Statushöhere Milieus – zu denen das progressive Bürgertum zählt – verfügen über größere Wohnflächen und damit einen höheren Ressourcenverbrauch.

Die unbequeme Frage bleibt

Das Umweltbundesamt selbst bezeichnet den Monitor als Grundlage für eine „sozial ausgewogene” Klimapolitik. Die Frage, die die Daten aufwerfen, ist eine andere: Wie glaubwürdig ist eine Klimaschutzbewegung, deren lauteste Befürworter im Alltag kaum auf ihre eigenen Forderungen hören?