War es ein Rücktritt – oder ein erzwungener Sturz? Ex-ORF-General Roland Weißmann bricht sein Schweigen und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Spitze des Stiftungsrats: erst massiver Druck, dann ein geheimer Deal – und am Ende ein eiskalter Wortbruch. Besonders brisant: Laut Weißmann sei es den Verantwortlichen „völlig egal“ gewesen, ob die Vorwürfe überhaupt stimmen.

„Egal ob wahr oder nicht“ – Rücktritt unter Druck

„Es ist uns völlig egal, ob das stimmt oder nicht. Das darf nie bekannt werden. Deshalb musst du zurücktreten.“ Mit diesen Worten sollen SPÖ-Stiftungsratschef Heinz Lederer und sein Stellvertreter Gregor Schütze, entsandt von der ÖVP, in den Tagen vor seinem Abgang massiven Druck auf Roland Weißmann ausgeübt haben, erzählt der Ex-ORF-Boss der Krone. Anlass waren Vorwürfe sexueller Belästigung durch eine ORF-Mitarbeiterin – zu einem Zeitpunkt als Weißmann noch nicht ORF-Generaldirektor und daher auch nicht ihr Vorgesetzt wer.

ÖVP-Stiftungrat Gregor Schütze (l.) und Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer (r., SPÖ) mit Weißmann-Nachfolgering Ingrid Thurnher
ÖVP-Stiftungrat Gregor Schütze (l.) und Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer (r., SPÖ) mit Weißmann-Nachfolgering Ingrid Thurnher

Auch zwei weitere Stiftungsräte, die Weißmann namentlich nicht nennt, seien in das Vorgehen eingebunden gewesen. Seinen Rücktritt hätten sie laut Weißmann als „alternativlos“ dargestellt. Freiwillig sei dieser Schritt keineswegs gewesen.

Zwischen dem 4. und 9. März habe sich die Lage dramatisch zugespitzt. Was nach außen wie ein Rücktritt wirkte, sei in Wahrheit ein erzwungener Sturz gewesen – aus Angst vor einer Eskalation. Damit verdichten sich einmal mehr die Hinweise auf einen gezielten Sturz an der Spitze des ORF.

Geheimer Deal – und dann der Bruch

Besonders explosiv: Weißmann schildert eine klare Abmachung. Ihm sei zugesichert worden, dass die Vorwürfe nicht öffentlich gemacht würden, wenn er zurücktritt. Doch genau das Gegenteil sei eingetreten.

„Diese Kehrtwende war der Moment der größten Hilflosigkeit“, gibt er zu.  In der Nacht sei ihm mitgeteilt worden, dass eine Aussendung erfolgen werde. Für Weißmann der endgültige Bruch – und der Moment, in dem aus einem Deal ein Verrat wurde. „Man gibt alles und wird trotzdem hintergangen.“

Vorwürfe nie geprüft – trotzdem öffentlich

Weißmann bekennt: „Was mich so empört ist, dass der Vorwurf selbst nie geprüft wurde.“ Trotzdem sei er am 9. März veröffentlicht worden – mit verheerenden Folgen für seine Person und den ORF. Für Weißmann ist das der eigentliche Skandal: Ein ungeprüfter Vorwurf – und ein Generaldirektor ist weg.

Er selbst habe die Anschuldigungen von Beginn an zurückgewiesen. Die Beziehung sei einvernehmlich und privat gewesen.

„Zu 100 Prozent rehabilitiert“

Mittlerweile sieht sich der Ex-ORF-General „zu 100 Prozent rehabilitiert.“ Weißmann verweist auf die Untersuchung der ORF-Compliance-Stelle. Diese hat keine sexuelle Belästigung festgestellt. Für ihn steht fest: Die Vorwürfe halten einer Prüfung nicht stand.

Umso größer ist für ihn der Widerspruch: rehabilitiert – aber gestürzt.

„Die schwierigsten sechs Wochen meines Lebens“

Auf die Frage, wie er das erlebt hat, sagt Weißmann offen: „Ich bin durch die Hölle gegangen.“ Der Ex-General beschreibt die vergangenen Wochen als existenzielle Krise. Innerhalb weniger Tage sei er „von 100 auf 0“ gefallen.

Er habe sich juristische und psychologische Unterstützung geholt. Gegen eine mögliche Kündigung wolle er sich zur Wehr setzen.