In Belfast hat die Polizei nach einer brutalen Messerattacke einen Mann wegen versuchten Mordes festgenommen. Die Tat geschah am Montagabend kurz nach 22.30 Uhr in der Kinnaird Avenue im Norden der Stadt.

Bei dem Festgenommenen, einem Mann in den Dreißigern, handelt es sich laut Polizei um einen Somalier. Das Opfer, ein Mann in den Vierzigern, wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Er erlitt erhebliche Verletzungen an Gesicht, Hals und Rücken. Sein Zustand wird als ernst beschrieben.

Das Grauen auf der Kinnaird Avenue

Im Netz kursieren verstörende Handyvideos, die offenbar den Angriff zeigen. Darauf soll zu sehen sein, wie ein Mann auf einem am Boden liegenden, blutüberströmten Opfer kniet.

Mehrere Medien berichten, dass der Angreifer auf Kopf und Hals des Opfers einstach. In den kursierenden Aufnahmen sind entsetzte Rufe zu hören. „Er versucht, ihm den Kopf abzuschneiden“, soll ein Augenzeuge gerufen haben.

Genau dieses Video machte den Fall binnen Stunden zum Politikum. Denn die Bilder wirken nicht wie eine gewöhnliche Messerattacke. Sie zeigen eine rohe, enthemmte Gewalt mitten auf offener Straße.

Passanten greifen ein

Dann griffen mutige Passanten ein. Mehrere Männer stürmten heran. Einer soll einen Hurling-Schläger verwendet haben, um den Angreifer vom Opfer wegzubringen.

Die Polizei würdigte das Eingreifen der Bürger ausdrücklich. Sie hätten versucht, den Mann vor weiteren Angriffen zu schützen. Premierminister Keir Starmer dankte ebenfalls den Einsatzkräften, die eingeschritten waren.

Doch am Ende waren es nicht Beamte, die den Angreifer stoppten, sondern Passanten.

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„Mittelalterlich und barbarisch“

Über die Bilder herrscht parteiübergreifend Entsetzen. Gavin Robinson, Chef der probritischen Democratic Unionist Party (DUP), sprach von einer „mittelalterlichen“ und „barbarischen“ Tat und einer „systematischen Verstümmelung“. Wer das Video gesehen habe, werde es nicht mehr vergessen können.

Auch Jon Burrows von der ebenfalls unionistischen Ulster Unionist Party (UUP), ein früherer hochrangiger Polizist, nannte den Angriff „abscheulich“ und „barbarisch“. Nordirlands Vize-Regierungschefin Emma Little-Pengelly verurteilte einen „barbarischen Akt des Hasses“.

Selbst Premier Keir Starmer schaltete sich ein. Er sprach von „entsetzlichen“ und „widerwärtigen“ Gewaltszenen. Für solche Gewalt auf britischen Straßen gebe es „absolut keine Toleranz“.

Polizei mahnt – und steht unter Druck

Assistant Chief Constable Ryan Henderson nannte den Angriff „zutiefst beunruhigend“ und stufte ihn als „kritischen Vorfall“ („critical incident“) ein. Die Ermittler suchen weiter nach dem Motiv.

Zugleich rief Henderson die Öffentlichkeit dazu auf, die Videos nicht weiterzuverbreiten. Das könne Angehörige traumatisieren und die laufenden Ermittlungen beeinträchtigen.

Doch gerade die Aufnahmen erklären, warum der Fall so schnell eskaliert ist. Viele Bürger wollen nun wissen: Wer ist der Verdächtige genau? Welches Motiv hatte er? Welchen Aufenthaltsstatus hat er? Gab es Vorstrafen?

Gerüchte im Netz

Auf X verbreiteten sich rasch Gerüchte. Unter anderem wurde behauptet, das Opfer sei ein Jugendlicher oder bereits verstorben. Dafür gibt es derzeit keine Bestätigung.

Offiziell ist: Das Opfer ist ein Mann in den Vierzigern. Er liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Der Verdächtige sitzt wegen des Verdachts auf versuchten Mord in Polizeigewahrsam. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Auch ein terroristisches Motiv ist derzeit nicht bestätigt.

Was bleibt

Der Fall trifft Großbritannien in einer ohnehin aufgeheizten Debatte über Messergewalt, Migration, öffentliche Sicherheit und Behördenkommunikation.

Sicher ist: Ein Mann wurde auf offener Straße brutal attackiert. Ein mutmaßlicher Somalier wurde festgenommen. Und ein Mensch lebt möglicherweise nur noch, weil Nachbarn taten, was in einem funktionierenden Rechtsstaat eigentlich niemand von Bürgern erwarten sollte.