Spanien untersucht erstmals systematisch das Phänomen der sogenannten »manadas« – zu Deutsch: »Rudel«. Die Zeitung El Mundo hat die Daten des Innenministeriums ausgewertet und kommt zehn Jahre nach dem berüchtigten Vergewaltigungsfall von Pamplona zu einem erschreckenden Ergebnis: Die Zahlen steigen, die Täter werden jünger – und ein Großteil hat keinen spanischen Pass.

550 bis 650 Fälle pro Jahr – Tendenz kaum sinkend

Zwischen 2018 und 2024 wurden in Spanien 3.737 Gruppenvergewaltigungen angezeigt – jede dritte davon mit minderjährigen Opfern. Rechnet man die jüngsten Fälle der letzten eineinhalb Jahre (mehr als 800) sowie die Zahlen des Baskenlandes hinzu, nähert sich die Gesamtzahl der 5.000-Marke. Den Höchststand erreichte die Kurve 2022 mit 632 Fällen, danach sank sie leicht auf 617 (2023) und 552 (2024) – eine nachhaltige Trendwende will das Innenministerium daraus nicht ableiten.

Die Gesamtzahl sexueller Übergriffe ist seit 2018 um 66 Prozent gestiegen – auf zuletzt 22.846 registrierte Fälle im Jahr 2024. Das Innenministerium führt den Anstieg teils auf höhere Anzeigebereitschaft zurück. Doch trotz mehr Anzeigen verzeichnen die Behörden keinen Rückgang der tatsächlichen Taten. Besonders im Frühjahr und Sommer steigt die Zahl der Fälle signifikant an.

Das Hospital Clínic in Barcelona – Referenzzentrum für sexuelle Gewalt in Katalonien – behandelt im Schnitt ein Opfer einer Gruppenvergewaltigung pro Woche. Allein zwischen Januar und Oktober 2025 wurden dort 53 Fälle registriert, 20 davon mit drei oder mehr Tätern gleichzeitig.

43 Prozent der Täter sind Ausländer – Marokko an der Spitze

Laut den aktuellen Zahlen des Innenministeriums sind 43 Prozent der Täter bei Gruppenvergewaltigungen ausländischer Herkunft – die größte Gruppe stammt aus Marokko und dem Maghreb. Nur rund 33 Prozent der Täter sind Spanier, bei weiteren 24 Prozent konnte die Nationalität nicht geklärt werden. Die tatsächliche Überrepräsentation ausländischer Tatverdächtiger dürfte damit noch höher liegen – unter Berücksichtigung ungeklärter, nicht ermittelter und eingebiürgerter Täter.

Diese Zahlen wurden bereits 2016 von der Autonomen Universität Madrid erhoben und haben sich seither kaum verändert. Damals löste ihre Veröffentlichung eine Welle der Kritik aus – das Erwähnen von Herkunftsdaten wurde als rassistisch bezeichnet. Heute werden sie vom Innenministerium offiziell bestätigt.

Täter werden jünger – Elfjährige „spielen Manadas“

32 Prozent der Täter sind minderjährig – und sie werden jünger. Das Innenministerium warnt: Je mehr Täter an einer Tat beteiligt sind, desto jünger sind sie – und desto gewalttätiger. Minderjährige Täter greifen laut der Auswertung häufiger zu Gewalt als Erwachsene (85,9 Prozent). Eine Expertin berichtete gegenüber El Mundo von Lehrern, die schockiert feststellten, dass Elfjährige »Manadas spielen«.

Als Mitursache gilt der frühe Zugang zu Pornografie: Bei Zehnjährigen gilt der Konsum einschlägiger Plattformen längst als normal – und die meistgeklickten Videos zeigen Gruppenvergewaltigungen. »Der Junge glaubt, er sieht Sex – dabei sieht er Gewalt«, erklärt Psychologin Bárbara Zorrilla.

Nur 5 bis 10 Prozent der Fälle werden angezeigt

Alle genannten Zahlen sind nur die Spitze des Eisbergs: Laut dem Observatorium für sexuelle Gewalt Feminicidio.net werden Gruppenvergewaltigungen nur in 5 bis 10 Prozent der Fälle überhaupt angezeigt. Die Dunkelziffer sei »extrem hoch«. Die Präsidentin des Observatoriums nennt das Phänomen schlicht »Terrorismus« und fordert härtere Strafen.