Auch NATO-Strukturen setzen bereits auf eigene Lösungen, die Europäische Kommission plant den vollständigen Umstieg bis Jahresende. Der Hintergrund ist klar: vertrauliche Informationen sollen nicht länger über Plattformen laufen, die außerhalb staatlicher Kontrolle liegen. Besonders der Umstand, dass zentrale Kommunikationsdienste in US-Hand sind, verstärkt in Europa die Diskussion über digitale Abhängigkeiten. Die neue Strategie zielt daher auf sogenannte „Souveränitäts-Apps“, die direkt von Behörden betrieben werden.

Sicherheitslücke oder Machtfrage?

Offiziell geht es weniger um die Verschlüsselung selbst, sondern um Kontrolle, Zugriff und Metadaten. Regierungen wollen bestimmen, wer mit wem kommunizieren darf und wann. Besonders in Belgien wurde zuletzt mit der App „BEAM“ ein eigenes System für Beamte eingeführt, das exakt diese Anforderungen erfüllen soll. Behörden betonen, klassische Messenger seien für komplexe Regierungsabläufe schlicht nicht konzipiert.

Auch Sicherheitsvorfälle sollen angeblich Argumente für den Umbau liefern: Phishing-Angriffe auf Regierungsnutzer über gängige Messenger sowie interne Warnungen auf EU-Ebene haben die Debatte verschärft. In Brüssel wurden zuletzt sogar Gruppen in Signal bei der EU-Kommission eingeschränkt oder geschlossen, nachdem Sicherheitsbedenken aufgekommen waren.