Nach der brutalen Auto-Attacke von Modena rückt die Vergangenheit des Verdächtigen in den Fokus. Salim El Koudri, 31 Jahre alt, italienischer Staatsbürger mit marokkanischen Wurzeln, raste am Samstag mit seinem Auto in Fußgänger. Acht Menschen wurden verletzt, vier davon schwer. Einer Frau mussten beide Beine amputiert werden.
Offiziell wird der Fall bisher nicht als Terroranschlag eingestuft. Italiens Innenminister Matteo Piantedosi erklärte, es gebe derzeit keine Hinweise auf Verbindungen zu Terrorgruppen. Doch zugleich warnte er davor, die Tat einfach als isolierten Ausbruch eines psychisch Kranken abzutun.
„Christliche Bastarde“: Ermittler prüfen alte E-Mails
Wie der Corriere della Sera berichtet, stehen nun vier E-Mails im Fokus der Ermittler, die El Koudri bereits im April 2021 an die Universität Modena geschickt hat. Zuvor hatte er dort einen Bachelor in Betriebswirtschaft erworben. Die Mails spiegeln eine zutiefst verstörende Mischung aus Wut, sozialer Kränkung, Job-Frust – und offenem Hass auf Christen wider.
In einer E-Mail heißt es laut Corriere: „Christliche Scheiß-Bastarde… euch und euren Jesus Christus verbrenne ich.“ (Im italienischen Original: „Bastardi cristiani di me… Voi e il vostro Gesù Cristo lo brucio.“) Auffällig: Jesus Christus wurde von El Koudri kleingeschrieben.
Die Ermittler rekonstruieren nun seine Persönlichkeit. Dabei prüfen sie auch, ob hinter der Attacke eine Nachahmung ähnlicher Gewalttaten in Europa stehen könnte – begangen von Tätern ohne direkte Verbindung zu islamistischen Terrorgruppen.
„Ich will arbeiten“ – der Frust hinter den Hass-Mails
Im Zentrum der Mails stand offenbar eine Forderung: Arbeit. El Koudri soll von der Universität verlangt haben, ihm eine Stelle zu verschaffen. „Ich will arbeiten“, schrieb er. Und weiter: Man solle ihn als Angestellten arbeiten lassen, nicht als Lagerarbeiter – und zwar in Modena, nicht „am Arsch der Welt“, wo am Ende nur 500 Euro im Monat übrigblieben.
Danach folgte offenbar ein Tonwechsel. In einer späteren Mail entschuldigte er sich für seine „Unhöflichkeit“. In einer weiteren Nachricht schrieb er sinngemäß, er finde keine Arbeit, die zu seinem Studium passe, wisse nicht, was er tun solle, sei 27 Jahre alt, allein und lebe mit seinen ausländischen Eltern.
Das macht den Fall nicht harmloser. Im Gegenteil: Aus den bisher bekannten Informationen ergibt sich das Bild eines frustrierten, ressentimentgeladenen Mannes.
Handy und Social Media im Visier
Auch das Mobiltelefon und mögliche Social-Media-Profile El Koudris werden nun untersucht. Die Ermittler wollen wissen, ob er in den vergangenen Jahren unter dem Einfluss anderer Personen stand oder ob er gegenüber Kontakten wiederholt über seine Arbeitslosigkeit und soziale Lage geklagt hatte.
Auf Rückmeldungen von Meta wird noch gewartet. Möglicherweise wurden in den vergangenen Monaten Postings von seinen Profilen gelöscht, weil sie gegen Plattformregeln verstießen. Laut Vizepremier Matteo Salvini hat El Koudri auf Facebook bereits von „christlichen Bastarden“ geschrieben und Allah auf Arabisch gepriesen. Diese Social-Media-Angaben müssen allerdings noch bestätigt werden.
Salvini fordert härtere Konsequenzen
Der Fall hat in Italien eine scharfe politische Debatte ausgelöst. Salvini sprach nach der Tat von einem „Kriminellen der zweiten Generation“ und forderte härtere Maßnahmen. Außenminister Antonio Tajani widersprach. El Koudri sei kein Migrant, sondern italienischer Staatsbürger.
Doch Salvini legte nach: Gerade das mache die Sache noch schlimmer. Er brachte sogar den Entzug der Staatsbürgerschaft in bestimmten Fällen ins Spiel.
Innenminister Piantedosi betonte: Es gehe hier nicht um Abschiebungspolitik, sondern um ein anderes Problem – Integration, Identität, Marginalisierung und psychische Instabilität.
Modena zeigt jedenfalls eine gefährliche Mischung: Integrationsprobleme, psychische Störung, soziale Kränkung – und Hass auf Christen. Das Ergebnis ist explosiv.

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