Die Ambitionen sind groß – und die Erwartungen offenbar auch: Schon vor dem offiziellen Start haben sich laut Betreibern mehr als 55.000 Interessenten aus 175 Ländern auf die Warteliste setzen lassen. Hinter dem Projekt steht die Schweizer Managerin Anna Zeiter. Ihr Ziel: eine Plattform, die unabhängig von den Tech-Giganten aus den USA funktioniert. Während X Elon Musk gehört, Truth Social mit Donald Trump verbunden wird und Meta die Netzwerke Facebook und Instagram kontrolliert, soll „W Social“ bewusst als europäische Alternative auftreten. Der Name ist dabei kein Zufall: Das „W“ komme im Alphabet schließlich vor dem „X“, wie die Gründerin erklärt.
Identität muss bestätigt werden
Besonders auffällig ist das Sicherheitskonzept. Wer künftig mitdiskutieren möchte, muss seine Identität mittels Reisepass oder Personalausweis bestätigen. Damit sollen KI-Bots und Fake-Profile ausgesperrt werden. Die Betreiber versprechen gleichzeitig, dass die Daten ausschließlich nach europäischen Datenschutzregeln verarbeitet und innerhalb der EU gespeichert werden. Das Motto lautet: „Privacy First“.
Raus aus der Filterblase
Die Gründer hoffen damit offenbar auf viele Nutzer, die den Ton auf anderen Plattformen zunehmend als aggressiv, polarisiert oder manipuliert empfinden. „W Social“ wolle Menschen wieder aus ihren Filterblasen holen und unterschiedliche Meinungen zusammenbringen, heißt es. Politisch wolle man niemanden ausschließen. Selbst AfD-Chefin Alice Weidel, die sich bereits spöttisch über die neue Plattform geäußert hatte, sei willkommen.
Preisfrage: Gibt es genügend Nutzer?
Doch genau hier beginnt die große Bewährungsprobe. Denn viele soziale Netzwerke sind nicht an ihrer Technik gescheitert, sondern daran, dass am Ende die Nutzer fehlten. Kritiker fragen deshalb bereits, ob Millionen Menschen tatsächlich bereit sind, sich mit Ausweis zu registrieren, nur um in sozialen Netzwerken aktiv zu sein. Andere sehen gerade darin den Schlüssel gegen Hass, Fake-Accounts und automatisierte Propaganda.
Europa will in die erste Reihe
Die Testversion ist nun gestartet, die vollständige Plattform soll Anfang 2027 folgen. Ob „W Social“ tatsächlich zum europäischen Gegenentwurf für Musk, Zuckerberg und Trump wird oder nur ein weiterer ambitionierter Versuch bleibt, muss sich erst zeigen. Die Botschaft der Gründer ist jedenfalls klar: Europa soll im Kampf um soziale Netzwerke künftig nicht mehr nur Zuschauer sein.

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