Die organisierte Kriminalität in Europa hat nach Einschätzung von Europol ein besorgniserregendes Ausmaß erreicht. Laut dem neuen Bericht „Decoding the EU’s most threatening criminal networks“ arbeiten inzwischen rund 400.000 Personen für kriminelle Syndikate – das sind fünfmal so viele wie noch vor zwei Jahren.
Europol zählt derzeit 731 besonders gefährliche kriminelle Netzwerke, die europaweit und darüber hinaus aktiv sind. Sie verdienen Milliarden mit Drogenhandel, Cyberkriminalität, Menschenhandel und Schlepperei. EU-Innenkommissar Magnus Brunner brachte die Entwicklung bei der Präsentation des Berichts in Brüssel auf den Punkt: „Kriminelle florieren.“
Besonders alarmierend sei die Anpassungsfähigkeit der Banden. Selbst wenn Ermittler Netzwerke zerschlagen, entstehen rasch neue Strukturen. Zwischen 2024 und 2026 wurden zwar 623 kriminelle Gruppen aufgelöst, gleichzeitig bildeten sich jedoch 533 neue Organisationen.
Verschlüsselte Kommunikation
Nach Angaben von Europol nutzen die Banden verschlüsselte Kommunikationsdienste, Tarnfirmen, gefälschte Social-Media-Profile und legale Unternehmensstrukturen, um ihre Geschäfte zu verschleiern. Rund 85 Prozent der kriminellen Netzwerke bedienen sich legaler Firmen, um unauffällig zu agieren.
Der Bericht zeigt zudem eine immer stärkere internationale Vernetzung. So arbeiten etwa die kalabrische Mafia ‘Ndrangheta und albanische Clans eng mit Drogenkartellen aus Brasilien und Kolumbien zusammen, um Kokain nach Europa zu schmuggeln. Die Erlöse werden anschließend mithilfe von Anwälten, Immobilienexperten, Buchhaltern und anderen Spezialisten über Restaurants, Hotels oder Immobilienprojekte in den legalen Wirtschaftskreislauf eingeschleust.

Kommentare
Lädt Kommentare...