Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht der heute 55-jährige Mohamedou Ould Slahi. Der Mauretanier gehörte in den 1990er-Jahren der Terrororganisation Al-Kaida an, absolvierte eine Ausbildung in Afghanistan und leistete einen Treueschwur auf die Gruppe. US-Behörden sahen in ihm später eine wichtige Figur mit Verbindungen zu Terrorchef Osama bin Laden. Ihm wurde vorgeworfen, eine Rolle bei den Vorbereitungen der Anschläge vom 11. September gespielt zu haben, berichtet die Krone.

 

14 Jahre in Guantánamo

Von 2002 bis 2016 war Slahi im US-Gefangenenlager Guantánamo Bay inhaftiert – ohne formelle Anklage. Während seiner Haft verfasste er ein Tagebuch, in dem er detailliert über Verhöre und Misshandlungen berichtete. Das Werk entwickelte sich zu einem internationalen Bestseller und machte seine Geschichte weltweit bekannt. Später wurde sein Schicksal auch im Film „Der Mauretanier“ verarbeitet.

Diskussion über Menschenrechte

Die Veranstaltung am 8. Juni steht unter dem Titel „Fast 25 Jahre Guantánamo Bay“. Neben Slahi sollen auch ein weiterer ehemaliger Guantánamo-Häftling sowie ein früherer Wärter des Gefangenenlagers teilnehmen. Nach Angaben der ÖH soll es dabei um die Auswirkungen des sogenannten „War on Terror“ sowie um Fragen von Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit gehen. Ein Sprecher der Hochschülerschaft betont, dass die Einladung nicht bedeute, sämtliche Ansichten oder Handlungen der Gäste gutzuheißen. Vielmehr wolle man unterschiedliche Perspektiven auf die Folgen staatlicher Anti-Terror-Maßnahmen beleuchten.

Scharfe Kritik aus Politik und Studentenvertretung

Die Einladung stößt allerdings auf massiven Widerstand. Die ÖVP-nahe Aktionsgemeinschaft zeigt sich empört. „Wer ehemaligen Al-Kaida-Mitgliedern eine Bühne bietet und das als Menschenrechtsdiskurs verkauft, hat den politischen und moralischen Kompass verloren“, kritisiert AG-Obmann Laurin Weninger. Auch die FPÖ reagierte scharf. Generalsekretär Christian Hafenecker spricht von einem „Sicherheitsskandal“ und kündigte parlamentarische Anfragen an.

Erinnerung an frühere Kontroversen

Zusätzlichen Zündstoff erhält die Debatte durch frühere Positionierungen der Hochschülerschaft. Vor einigen Jahren hatten ÖH-Vertreter gegen einen Auftritt der deutschen Feministin Alice Schwarzer protestiert und ihre Ansichten als problematisch bezeichnet. Kritiker werfen der ÖH nun vor, bei der Auswahl ihrer Gäste mit zweierlei Maß zu messen. Die Hochschülerschaft selbst weist solche Vorwürfe zurück und verweist auf den wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Charakter der Veranstaltung. Ob die Diskussion tatsächlich wie geplant stattfinden wird, bleibt abzuwarten. Schon jetzt zeigt der Fall, wie stark die Meinungen über Meinungsfreiheit, Menschenrechte und die Grenzen öffentlicher Debatten auseinandergehen. Fest steht: Die Einladung des ehemaligen Guantánamo-Häftlings sorgt weit über den Uni-Campus hinaus für Aufsehen.