Urbaniok stützt sich auf eigene Auswertungen von Kriminalitätsdaten

Urbaniok, der nach eigenen Angaben in seiner beruflichen Laufbahn mit mehr als 5.000 Straftätern gearbeitet hat, verweist auf Auswertungen offizieller Kriminalitätsdaten. Dabei komme es nicht auf die absoluten Zahlen an, sondern auf die Kriminalitätsquoten im Verhältnis zur jeweiligen Bevölkerungsgruppe. Laut Urbaniok zeigen diese Berechnungen bei einzelnen Nationalitäten eine erhebliche Überrepräsentation bei bestimmten Delikten.

Verurteilten- und Gefängnisstatistiken würden ähnliche Ergebnisse zeigen

Im Gespräch mit WELT kritisierte der Psychiater, dass die öffentliche Diskussion häufig versuche, diese Unterschiede durch statistische Einwände oder soziale Faktoren zu relativieren. Er habe deshalb nicht nur Polizeistatistiken, sondern auch Daten zu Verurteilten und Strafgefangenen untersucht. Die Muster würden sich dort nach seinen Angaben weitgehend bestätigen.

Alter und soziale Lage seien für Urbaniok keine ausreichende Erklärung

Besonders skeptisch äußerte sich Urbaniok gegenüber Erklärungen, wonach die Unterschiede allein auf das junge Durchschnittsalter oder die oft schwierige soziale Lage vieler Migranten zurückzuführen seien. Zwar spielten solche Faktoren eine Rolle, sie könnten die großen Unterschiede zwischen einzelnen Herkunftsgruppen jedoch nicht vollständig erklären.

Kulturelle Prägungen könnten das Risiko für Gewaltkriminalität erhöhen

Als weiteren Einflussfaktor nennt Urbaniok kulturelle Prägungen. Bestimmte Vorstellungen von Ehre, Geschlechterrollen oder dem Umgang mit Konflikten könnten seiner Ansicht nach das Risiko für Gewaltkriminalität erhöhen. Dabei betont der Forensiker, dass es sich nicht um Eigenschaften einzelner Personen, sondern um statistische Häufungen innerhalb bestimmter Gruppen handle.

Kritik an seinen Thesen weist der Psychiater zurück

Kritik, wonach solche Argumentationen kulturelle Herkunft pauschal mit Kriminalität gleichsetzten, weist Urbaniok zurück. Er betone ausdrücklich, dass weder genetische Faktoren noch ethnische Zuschreibungen seine Überlegungen bestimmten. Vielmehr gehe es um gesellschaftliche und kulturelle Einflüsse, die über Generationen weitergegeben werden könnten.

Erfahrungen aus der Praxis prägen seine Sichtweise

Zur Untermauerung seiner Argumentation verweist Urbaniok auf Fälle aus seiner langjährigen Tätigkeit als Forensiker. Dabei schildert er unter anderem Konflikte rund um Ehrvorstellungen innerhalb von Familien mit Migrationshintergrund. Solche Erfahrungen hätten ihn in seiner Einschätzung bestärkt, dass kulturelle Faktoren bei bestimmten Gewaltphänomenen nicht ausgeblendet werden dürften.

Urbaniok fordert eine strengere Migrationspolitik

Für die Migrationspolitik fordert Urbaniok eine stärkere Steuerung der Zuwanderung sowie konsequentere Maßnahmen gegenüber schweren Straftätern. Dazu gehörten nach seiner Auffassung auch erleichterte Abschiebungen krimineller Ausländer und eine Debatte über mögliche Konsequenzen für eingebürgerte Doppelstaatsbürger bei besonders schweren Verbrechen.

„Wir brauchen eine ehrliche Debatte über Migration und Kriminalität“

Zugleich stellte der Psychiater klar, dass er Migration grundsätzlich für notwendig halte. Gut integrierte Zuwanderer würden seiner Meinung nach selbst unter der Kriminalität einzelner Landsleute leiden, da sie dadurch häufiger unter Generalverdacht gerieten.