Am Rande des AfD-Bundesparteitags in Erfurt wurden am Wochenende mehrere Journalisten attackiert: Drei Reporter des deutschen Online-Mediums Apollo News wurden am Samstag von einem wütenden Mob gejagt und angegriffen, zwei von ihnen wurden verletzt. Einem Reporter der „Jungen Freiheit” wurde ins Gesicht geschlagen, einem weiteren Team das Mobiltelefon entrissen. Die Polizei registrierte bis Sonntagmittag rund um Parteitag und Gegenproteste 65 Straftaten, darunter Körperverletzungsdelikte.

Was dann folgte, ist bemerkenswert: Bei ihrer Abschluss-Pressekonferenz am Sonntag weigerten sich die Sprecher der linksextremen Initiative „Widersetzen”, die Gewalt zu verurteilen – wie Apollo News berichtet, wurde eine entsprechende Nachfrage des Mediums zunächst gar nicht beantwortet.

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„Sie sind auf unseren Aktionen nicht willkommen"

Erst auf Nachfrage von Deutschlandfunk und Bayerischem Rundfunk äußerte sich Sprecher Noa Sander – und rechtfertigte die Angriffe offen: „Wir sind nach Erfurt gekommen, um Faschistinnen zu blockieren. Faschistinnen mit einem Presseausweis sind immer noch Faschist*innen.” An die anwesenden Apollo-News-Journalisten gerichtet, legte er nach: „Ich weiß nicht, was sie nicht verstanden haben. Sie sind auf unseren Aktionen nicht willkommen. Sie können auch gerne jetzt gehen.” Das Publikum der Pressekonferenz applaudierte.

Auch an die Politik richtete Sander eine unverhohlene Drohung: „An alle Parteien, insbesondere CDU und BSW: Das hier ist unsere explizite Warnung! Wenn ihr es wagt, den Faschist*innen an die Macht zu helfen, macht ihr euch zu unserem nächsten Aktionsziel.”

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ARD-Journalistin fordert Distanzierung – ausgerechnet von der AfD

Für zusätzliche Verwunderung sorgte ARD-Journalistin Anja Kohl: Im „Sonntags-Stammtisch” des Bayerischen Rundfunks erklärte sie die Attacken zwar zu ihrem „Ärger der Woche” – ihren Vorwurf richtete sie aber nicht an die linken Angreifer oder das Protestbündnis, sondern an die attackierte Seite: „Und die AfD hat es nicht geschafft, öffentlich sich davon zu distanzieren, überhaupt öffentlich Stellung zu nehmen.”

Nur: AfD-Chefin Alice Weidel hatte die Angriffe bereits am Samstag verurteilt – und ihrerseits kritisiert: „Ich muss sagen, die anderen Parteien und auch die Medien: Sie waren sehr leise, um das zu verurteilen.”

Tatsächlich blieb es andernorts auffallend still: Von SPD und Linkspartei kam laut Apollo News zu den Angriffen auf die Presse gar nichts. Grünen-Chefin Franziska Brantner nannte die Proteste ein „Zeichen demokratischer Stärke” und sprach von einem bedauerlichen „Einzelfall”. Klare Verurteilungen kamen aus Union und FDP. Bleibt die Frage: Wie viel ist das Bekenntnis zur Pressefreiheit wert, wenn es davon abhängt, wer den Presseausweis trägt?