Die Windturbine im sächsischen Oberwiera, im Ortsteil Görlitz, war mit großen Erwartungen gestartet. Mit einer Höhe von fast 170 Metern sollte sie einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien leisten. Zeitweise versorgte die Anlage rund 5000 Haushalte mit Energie.
Doch statt zum Symbol für die Energiewende wurde die rund 10 Millionen Euro teure Anlage zum Streitpunkt zwischen Betreiber, Behörden und Anwohnern, berichtet brusselssignal.eu.
Anwohner hören Brummen trotz geschlossener Fenster
Nach zahlreichen Beschwerden entschieden die Behörden: Die Anlage verstößt gegen die geltenden Lärmschutzvorschriften und kann unter den aktuellen Bedingungen nicht weiter betrieben werden.
Besonders betroffen waren Bewohner in rund einem Kilometer Entfernung – also genau jener Abstand, der in Sachsen als gesetzlich vorgeschriebene Mindestdistanz gilt. Einige Anwohner berichteten, das tiefe Brummen der Turbine selbst bei geschlossenen Fenstern wahrzunehmen.
„Es klingt so, als würde man aus einem Flugzeug steigen und die Turbine läuft immer noch“, schilderte Bürgermeister Holger Quellmalz die Beschwerden aus der Bevölkerung.
Ein weiterer Bewohner verglich das Geräusch mit einem Flugzeug, das ständig über dem Haus kreise. Der Betreiber versuchte mehrfach, die Geräuschbelastung zu reduzieren. Die Anlage wurde nachts teilweise abgeschaltet, Vibrationsdämpfer wurden eingebaut und sogar das Getriebe ausgetauscht.
Doch trotz der kostspieligen Maßnahmen blieb das Problem bestehen.
Der Hersteller Vestas erklärte, die Ursache liege in einer besonderen Kombination aus den Bedingungen am Standort und den Eigenschaften der Anlage.
Seltenes Ende für eine Windkraftanlage
Dass eine Windturbine wegen Lärmbeschwerden komplett abgebaut werden muss, ist nach Angaben des Deutschen Windenergieverbandes ein außergewöhnlicher Vorgang.
Gerade vor dem Hintergrund des politischen Ziels, erneuerbare Energien weiter auszubauen, sorgt der Fall für Aufmerksamkeit. Eine Anlage, die eigentlich als Beitrag zur klimafreundlichen Stromversorgung gedacht war, verschwindet nun wieder aus der Landschaft.
Zweites Windrad steht vor dem Aus
Die Probleme haben auch Auswirkungen auf weitere Pläne in Oberwiera. Eine zweite Windkraftanlage sollte ursprünglich im selben Ort entstehen. Nach den Erfahrungen mit der ersten Turbine gibt es dafür jedoch keine politische Mehrheit mehr.
Die Skepsis in der Bevölkerung ist gewachsen – der Rückhalt für weitere Projekte schwindet.
Der Abbau der Anlage soll Mitte Juli beginnen. Noch ist allerdings ungeklärt, wer die Kosten für die Demontage trägt.
Der Betreiber betont, dass keine Steuergelder für den Rückbau eingesetzt werden sollen. Dennoch bleibt die Frage offen, wie hoch die endgültige Rechnung ausfallen wird.
Nach nur wenigen Jahren Betrieb endet damit die Geschichte einer Windkraftanlage, die eigentlich für die Zukunft der Energieversorgung stehen sollte – und nun wegen eines anhaltenden Geräuschproblems wieder verschwindet.

Kommentare
Lädt Kommentare...