Die Bilanz der Erdbeben-Katastrophe in Venezuela wird immer dramatischer: 2.595 Tote zählen die Behörden mittlerweile. Auf einer inoffiziellen Liste im Internet werden noch rund 38.500 Menschen als vermisst geführt. Und dennoch gibt Interimspräsidentin Delcy Rodriguez die Hoffnung nicht auf: „Wir können immer noch Menschen lebend finden”, erklärte sie am Donnerstag (Ortszeit). Die Such- und Rettungsarbeiten seien noch nicht beendet.
Für den Wiederaufbau richtet das Land gemeinsam mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) einen Hilfsfonds über 200 Millionen Dollar ein. Zudem hätten IWF und Weltbank weitere Kredite und Hilfen angeboten. Die US-Regierung von Präsident Donald Trump hat laut euronews bereits 300 Millionen Dollar zugesagt, rund 900 US-Soldaten unterstützen vor Ort die Rettungsarbeiten. Der tatsächliche Bedarf dürfte freilich weit höher liegen: Nach Satellitenanalysen des UNO-Entwicklungsprogramms beträgt der materielle Schaden mehr als 6,7 Milliarden Dollar.
„Regierung hat sofort gehandelt"
Es war die erste Pressekonferenz von Rodriguez seit dem Sturz von Nicolas Maduro durch die USA im Jänner. Die Kritik an einem zu langsamen Krisenmanagement wies die Interimspräsidentin vehement zurück: Die Regierung habe sofort gehandelt. Das Chaos erklärte sie unter anderem damit, dass im am schwersten betroffenen Bundesstaat La Guaira fast alle regionalen Behördenvertreter selbst ums Leben gekommen seien.
Die Realität vor Ort zeichnet indes ein anderes Bild: Die Rettungsarbeiten nach den Beben der Stärke 7,2 und 7,5 werden größtenteils von Zivilisten getragen, die oft mit bloßen Händen graben – und fehlendes schweres Gerät beklagen. Laut UNICEF sind 1,8 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen, mindestens 38 Spitäler wurden zerstört. Hilfsorganisationen warnen laut euronews bereits vor einer schweren medizinischen Krise – Tausende Menschen leben ohne sauberes Wasser in überfüllten Notunterkünften.
Wie lange noch Hoffnung besteht, Verschüttete lebend zu bergen? Erst am Dienstag wurde ein Kleinkind nach sechs Tagen lebend aus den Trümmern geborgen – wie euronews berichtet.

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