An manchen Volksschulen ist mittlerweile fast jedes zweite Kind ein sogenannter außerordentlicher Schüler – siehe Grafik unten. So werden Kinder bezeichnet, die wegen mangelnder Deutschkenntnisse dem Unterricht nicht vollständig folgen können. Im Schuljahr 2021/22 wurden in Linz noch 1.545 außerordentliche Schüler gezählt. Mittlerweile liegt die Zahl bei 2.179 Kindern. Damit stieg ihr Anteil an allen Pflichtschülern von 13,6 auf 17,6 Prozent.

Besonders auffällig ist die Situation bei Schulanfängern: Von den aktuell betroffenen Kindern besuchen 1.414 die erste Schulstufe. Fast zwei Drittel aller außerordentlichen Schüler stehen somit erst am Beginn ihrer Schullaufbahn, berichtet die Kronen Zeitung.

Einige Schulen besonders stark betroffen

An mehreren Volksschulen erreichen die Zahlen mittlerweile Höchstwerte. Den höchsten Anteil verzeichnet die Goetheschule, wo rund die Hälfte aller Kinder als außerordentliche Schüler geführt wird. Knapp dahinter liegen die Stelzhamerschule, die Sonnensteinschule, die Löwenfeldschule sowie die Ferdinand-Hüttner-Schule.

Vor allem an der Löwenfeldschule hat sich die Situation innerhalb eines Jahres deutlich verschärft. Der Anteil stieg dort von 37,6 auf 45,7 Prozent.

Politische Debatte über Ursachen und Folgen

Die Entwicklung wird von der Politik unterschiedlich bewertet. FPÖ-Stadtrat Michael Raml warnt vor einer Überforderung des Schulsystems. Lehrer würden zunehmend an ihre Grenzen stoßen, während immer mehr Ressourcen für die Sprachförderung aufgewendet werden müssten.

Aus Sicht der Stadt Linz steht hingegen die frühzeitige Unterstützung der Kinder im Mittelpunkt. Bildungsstadträtin Merima Zukan betont, dass die Herausforderungen ernst genommen würden und bereits konkrete Maßnahmen umgesetzt werden.

Sommerschule wird verpflichtend

Eine wesentliche Neuerung tritt bereits heuer in Kraft: Die Sommerschule wird von acht auf 20 Standorte ausgeweitet und ist erstmals für außerordentliche Schüler verpflichtend.

Ziel der Maßnahme ist es, Kindern noch vor Beginn des Schuljahres bessere Deutschkenntnisse zu vermitteln und damit ihre Chancen auf einen erfolgreichen Bildungsweg zu erhöhen.

Fehlendes Monitoring sorgt für Kritik

Aus der Anfragebeantwortung geht zudem hervor, dass derzeit kein systematisches Monitoring zur Entwicklung außerordentlicher Schüler oder zur Wirksamkeit städtischer Sprachfördermaßnahmen existiert.

Die zuständige Abteilung Schule führt laut Stadt bislang keine entsprechende Erfolgskontrolle durch. Damit bleibt offen, welche Fördermaßnahmen langfristig die besten Ergebnisse erzielen und wie sich die Situation in den kommenden Jahren entwickeln wird.