Jetzt wird es ernst für Anthony Fauci. Am kommenden Mittwoch muss der 85-Jährige, einst oberster Corona-Berater der USA, vor dem Homeland-Security-Ausschuss des US-Senats aussagen – und zwar nicht freiwillig. Ausschussvorsitzender Rand Paul (Republikaner, Kentucky), Faucis erbittertster Gegenspieler, hat ihn per Subpoena vorgeladen, nachdem Fauci eine freiwillige Einladung ausgeschlagen hatte. Das berichten unter anderem „The Hill” und die „Washington Post”.

Paul lässt keinen Zweifel daran, was er von dem Auftritt hält. „Ich erwarte, dass er nicht die Wahrheit sagen wird”, polterte der Senator in einem Interview mit Fox Business. „Ich erwarte nicht, dass er ehrlich ist – das war er in den letzten sechs Jahren nicht.” Die beiden Männer lieferten sich schon während der Pandemie hitzige Wortgefechte, als Fauci die Corona-Politik unter der Regierung Biden mitverantwortete.

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Worum es geht: Der Vorwurf der großen Vertuschung

Der Kern des Streits: Paul wirft Fauci seit Jahren vor, die Herkunft des Coronavirus vertuscht zu haben. Konkret geht es um sogenannte Gain-of-Function-Forschung – Experimente, bei denen Erreger im Labor gefährlicher gemacht werden – am Institut für Virologie im chinesischen Wuhan. Nach Darstellung Pauls floss dafür Geld aus dem von Fauci geführten US-Gesundheitsinstitut. Der Senator behauptet, das Virus sei in diesem Labor entstanden und von dort entwichen, und Fauci habe die „Labor-Leak”-These bewusst als Verschwörungstheorie abgetan.

Infektiologen halten dagegen, dass die konkret geförderte Forschung die Pandemie gar nicht ausgelöst haben könne. Auch eine Analyse der Weltgesundheitsorganisation kam im Vorjahr zum Schluss, dass die Beweislage am ehesten für einen natürlichen Ursprung spricht – ein Übersprung vom Fledermaus- über ein Zwischenwirt-Tier auf den Menschen. Fauci selbst hat die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen.

Losgetreten wurde die neue Eskalation von Material, das die scheidende US-Geheimdienstdirektorin Tulsi Gabbard am 18. Juni veröffentlichte. Doch selbst Kritiker halten Gabbards Schlussfolgerungen für überzogen: „Gabbard springt von ‚einige Belege stützen einen laborbezogenen Ursprung’ zu ‚Fauci hat Corona verursacht und die Geheimdienste zur Vertuschung manipuliert’ – und das sind längst nicht dieselben Behauptungen”, schreibt die Georgetown-Forscherin Renée DiResta in einer Analyse für das Portal „Lawfare”.

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Das Tagebuch, das Fauci nun in Erklärungsnot bringt

Besonders brisant: Wenige Tage vor der Anhörung veröffentlichte Rand Paul Auszüge aus einem privaten Tagebuch Faucis – das „Tony’s Diary Package”, mit Einträgen von Dezember 2019 bis Dezember 2022. Pauls Vorwurf: Was Fauci privat notierte, decke sich nicht mit dem, was er der Öffentlichkeit erzählte.

Die von konservativen US-Medien wie dem „Daily Caller” zitierten Passagen drehen sich vor allem um eine Telefonkonferenz mit hochrangigen Wissenschaftern Anfang Februar 2020. Damals sei ein Teil der Experten von der Möglichkeit einer „deliberate insertion” ausgegangen – der Idee, dass das Virus im Labor gezielt gentechnisch verändert worden sein könnte. Einen Tag zuvor hätten Wissenschafter laut Tagebuch Bedenken geäußert, das Spike-Protein könne nicht natürlich entstanden sein, weil ein passender Evolutionssprung bei Fledermaus-Isolaten nirgends gefunden worden sei. Fauci notierte demnach: „Jetzt wissen wir, dass der Markt nicht die Quelle war, sondern der Verstärker.”

Öffentlich klang das nur Monate später deutlich anders: In einem Interview mit „National Geographic” im Mai 2020 tat Fauci die Labor-These als „Zirkelschluss” ab und erklärte, das Virus sei „völlig konsistent” mit einem Übersprung vom Tier auf den Menschen.

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Und dann ist da noch Bidens Begnadigung

Bemerkenswert an der ganzen Konstellation: Strafrechtlich verfolgt werden kann Fauci eigentlich kaum. Noch vor seinem Abschied aus dem Amt sprach der damalige Präsident Joe Biden eine vorsorgliche, „vollständige und bedingungslose” Begnadigung für Fauci und weitere Spitzenbeamte aus – aus Sorge, sie könnten von der Regierung Trump ins Visier genommen werden.

Ob dieser Schutzschild hält, will Pauls Ausschuss nun ausloten. Manche Fauci-Kritiker im Trump-Lager glauben, dass eine zivilrechtliche Sammelklage trotz Begnadigung möglich bleibe. Fauci-Vertrauter David Morens wurde bereits wegen des Verdachts auf Verstöße gegen Aktenführungspflichten angeklagt; er weist die Vorwürfe zurück und wurde bislang nicht verurteilt.

Am Mittwoch wird sich zeigen, ob Fauci auf die Angriffe Pauls Antworten liefert – oder ob das Duell der beiden alten Kontrahenten in die nächste, ergebnislose Runde geht.