Es ist der Widerspruch, um den sich am Mittwoch alles drehen dürfte: Anthony Fauci, einst oberster Corona-Berater der USA, soll die tödliche Gefahr des Coronavirus vor dem Kongress deutlich höher dargestellt haben, als er sie privat einschätzte. Das legen Einträge aus seinem persönlichen Tagebuch nahe, über die der US-Sender Fox News berichtet.

Der Reihe nach: Am 8. Februar 2020 – gut einen Monat vor seiner Aussage vor dem US-Kongress – hielt Fauci in seinem Tagebuch fest, das Virus verhalte sich in seiner Übertragbarkeit „wie eine schlimme Grippe”. Die tatsächliche Sterblichkeitsrate liege eher bei 0,2 bis 0,3 Prozent als bei zwei Prozent, notierte er nach einem Telefonat mit dem früheren CDC-Direktor Tom Frieden.

Vor dem Kongress klang das wenige Wochen später deutlich dramatischer. Am 11. März 2020 sagte Fauci vor dem Oversight-Ausschuss des Repräsentantenhauses, die Sterblichkeit liege „bei etwa drei Prozent”, sie habe „bei zwei und drei angefangen”. Zählt man alle kaum oder gar nicht symptomatischen Fälle mit, so Fauci damals weiter, komme man auf rund ein Prozent – womit das Virus „zehnmal tödlicher” sei als die saisonale Grippe.

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Aus 0,2 Prozent werden vor dem Kongress drei Prozent

Der Unterschied ist erheblich: Zwischen den privat notierten 0,2 bis 0,3 Prozent und den öffentlich genannten drei Prozent liegt ein Faktor von rund zehn. Fauci selbst hatte in seinem Tagebuch zu diesem Zeitpunkt 34.687 Fälle und 724 Todesfälle vermerkt – rechnerisch also gut zwei Prozent, wobei er im selben Eintrag festhielt, die wahre Fallzahl liege weit höher, was die Sterblichkeitsrate entsprechend drücke.

Brisant sind die Einträge auch deshalb, weil sie ein zweites Bild von Fauci zeichnen. Laut Fox News dokumentierte der 85-Jährige in seinem Tagebuch akribisch seinen wachsenden Ruhm und seine Medienauftritte. „Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass ich heute die berühmteste und meistdiskutierte Person des Landes bin”, notierte er etwa im Mai 2020.

Gesundheitsminister Kennedy: „Es ging ihm darum, ins Fernsehen zu kommen"

Genau an diesem Punkt setzt der amtierende US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. an. In einer Fox-Sendung warf er Fauci vor, während der Pandemie vor allem mit sich selbst beschäftigt gewesen zu sein. „Sein Fokus lag darauf, sich selbst zu vermarkten, ins Fernsehen zu kommen – und nicht darauf, Gesundheitspolitik zu machen”, so Kennedy laut Fox News.

Kennedy, der sich selbst zu den während der Pandemie Ausgegrenzten zählt, macht Fauci für den Vertrauensverlust der Amerikaner in die Gesundheitsbehörden verantwortlich. Wer den Experten-Meinungen nicht „blind vertraut” habe, sei „an den Rand gedrängt, verunglimpft, dämonisiert, zensiert” worden, sagte er. Auch die etablierten Medien nahm er ins Visier: Die Presse sei „Teil dieser Kollaboration” gewesen und habe „enormen Schaden” angerichtet.

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Am Mittwoch muss Fauci erneut aussagen

Für Fauci kommen die Enthüllungen zur Unzeit. Am Mittwoch muss er, wie exxpress bereits berichtete, vor dem Homeland-Security-Ausschuss des US-Senats aussagen – vorgeladen per Subpoena durch Ausschussvorsitzenden und Dauer-Widersacher Rand Paul (Republikaner). Genau die neu öffentlich gewordenen Tagebuch-Einträge sollen dort Thema sein.

Kennedy geht davon aus, dass es für Fauci ungemütlich werden könnte. Sollte dieser vor dem Ausschuss erneut die Unwahrheit sagen, drohe ihm womöglich eine Anklage wegen Meineids, sagte der Gesundheitsminister – Paul werde ihn „vermutlich genau zu diesen Dingen befragen”.

Fox News wandte sich nach eigenen Angaben an die Georgetown University, wo Fauci heute als Professor lehrt, und bat um eine Stellungnahme zu den Widersprüchen zwischen den privaten Notizen und den öffentlichen Aussagen. Eine Antwort blieb bis zur Veröffentlichung aus.

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