Vier Tage vor Donald Trumps 80. Geburtstag schlug das FBI zu. Fünf Männer sollen geplant haben, „UFC Freedom 250“ in ein Blutbad zu verwandeln – ein echtes Käfigkampf-Event, das diesmal nicht in einer Sportarena stattfand, sondern auf dem South Lawn des Weißen Hauses, direkt vor dem Amtssitz des US-Präsidenten.

UFC ist die weltweit größte Mixed-Martial-Arts-Liga: Kämpfe im Käfig mit Boxen, Ringen und Bodenkampf. Die Sonderveranstaltung stand im Umfeld von Trumps Geburtstag und des 250-Jahr-Jubiläums der USA.

Rund 19 Personen kommunizierten laut US-Medien in einem zentralen Signal-Chat, mehr als 20 wurden insgesamt im Umfeld identifiziert. Fünf Männer sitzen in Haft. Für alle gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.

Fans sehen Trump und UFC-Chef Dana White beim Freedom 250 Fan Fest in Washington. Das UFC-Event am Gelände des Weißen Hauses soll Ziel eines mutmaßlichen Anschlagsplans gewesen sein.
Fans sehen Trump und UFC-Chef Dana White beim Freedom 250 Fan Fest in Washington. Das UFC-Event am Gelände des Weißen Hauses soll Ziel eines mutmaßlichen Anschlagsplans gewesen sein.

Trump, Netanyahu, Musk auf der Abschussliste

Hauptorganisator Abraham „Shepherd” Alvarez verschickte in den Signal-Chats eine codierte Zielliste. „1″ – Donald Trump. „2″ – JD Vance. „N” – Benjamin Netanyahu. „Musk” – Elon Musk.

Netanyahu war gar nicht eingeladen. Online-Gerüchte über eine mögliche Teilnahme reichten offenbar, um ihn in den Chats als Ziel zu führen. Für Sicherheitsanalysten zeigt das: Netanyahu galt ihnen als globales Feindsymbol – unabhängig von seiner physischen Anwesenheit.

Spendenliste als Zielauswahl-Werkzeug – und Hitler-Bezüge

Das vielleicht brisanteste Detail: Laut Gerichtsunterlagen nutzten die Verdächtigen Daten der Website TrackAIPAC.com für ihre Zielauswahl. Die Seite listet US-Politiker nach der Höhe ihrer Spendeneinnahmen von pro-israelischen Organisationen.

Der 19-jährige Tycen Proper aus Ohio schlug Senatorin Marsha Blackburn vor – sie habe „Geld vom Israel-Lobby“ genommen. Weitere Ziele: Senatoren Tom Cotton, Jim Justice, Shelley Moore Capito sowie vier Abgeordnete aus West Virginia. Blackburn reagierte erschüttert auf X: „Es ist unglaublich erschreckend, dass dieser Verdächtige mich als potenzielles Ziel nannte.“

Laut Gerichtsunterlagen meldeten Familienangehörige zudem: Proper habe Adolf Hitler positiv erwähnt und antisemitische Kommentare auf Social Media gepostet. Antisemitismus war damit offenbar nicht nebensächlich, sondern wesentlicher Teil des Feindbilds.

Drohnen, Panik, Scharfschützen

Sprengstoff-Drohnen sollten über dem Nordteil der Veranstaltung explodieren. Die 4.300 Zuschauer – darunter 1.200 aktive Soldaten – sollten in Panik zur Südseite fliehen. Dort warteten Scharfschützen auf sogenannte „high value targets“. Laut US-Medien war zudem geplant, anschließend das Weiße Haus zu stürmen.

Die Gruppe war militärisch strukturiert: fünf Teams zu je drei Mann – ein Scharfschütze, ein Operator als Sicherung, ein Drohnen-Pilot.

Wichtig: Bei den Hausdurchsuchungen wurden Waffen, Munition und taktische Ausrüstung sichergestellt – aber laut US-Medien keine fertig präparierten Sprengdrohnen oder Sprengstoffe. Der Drohnenangriff war geplant, nicht bereits als einsatzbereite Waffe vorbereitet.

„So viele und so tödlich wie möglich“

Eine Schlüsselrolle spielte Shepherd. Er markierte auf geteilten Karten von Washington D.C. Positionen für Scharfschützen und Drohnenstartpunkte. Auf die Frage nach Drohnen mit Sprengstoff antwortete er: „As many and as deadly as we can get.“ Er behauptete, bereits eine Drohne zu besitzen und an weiteren zu arbeiten.

„Wir befreien euch aus dem Gefängnis“

Michael Alan Thomas, 32, aus Pinon Hills, Kalifornien – einer der fünf Angeklagten – schrieb über die Frontkämpfer: „Tier-1-Status ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Wir werden sie aus dem Gefängnis befreien, wenn nötig.“ Verhaftete Komplizen sollten also gewaltsam befreit werden.

Thomas traf sich persönlich mit Bryan Roa, 24, aus Calimesa, Kalifornien – ebenfalls angeklagt – in Südkalifornien. Ziel: Training für „Guerilla-Kriegsführung“. Am 7. Juni schrieb Thomas in den Chat: „1.300 Dollar bringen uns die Drohnen und Sprengladungen. Wir legen alle zusammen – sofort.“

Kirche als Fluchtbasis – Stromnetze im Visier

Shepherd schickte der Gruppe ein Foto einer alten Kirche in Nebraska: geheime Rückzugsbasis nach dem Anschlag. Dazu genaue Fluchtrouten – Nebenstraßen und den Fluss hinunter zum Abholpunkt.

Was bisher kaum berichtet wurde: Die Gruppe diskutierte laut Anklagedokument auch Angriffe auf Strominfrastruktur. Die Ermittler prüfen damit den Verdacht, dass es nicht bei einem einzelnen Anschlag bleiben sollte.

Der mutmaßliche Organisator: Deckname Shepherd

Alvarez, 31, aus Omaha, Nebraska, koordinierte Positionen, Fluchtwege, Kommunikation. Proper beschrieb ihn gegenüber Ermittlern als „aggressiv in der taktischen Planung“ – und glaubte, er habe militärischen Hintergrund. Bestätigt ist das nicht.

Das FBI identifizierte Alvarez schließlich über einen TikTok-Account. Er hatte sämtliche Karten von Washington D.C. in die Chats geladen und Angriffspositionen eingezeichnet.

Maturageschenk für Waffen – gestoppt aus dem Krankenbett

Tycen Proper, 19 Jahre alt, aus Knox County, Ohio, investierte 3.000 Dollar seines Maturageschenks in ein AR-Gewehr, ein mit US-Flagge bemaltes Bullpup-Gewehr, zwei Plattenwesten und Tausende Schuss Munition. Er hatte seinen Job gekündigt, um sich auf den Anschlag vorzubereiten. Sein erklärtes Ziel: eine „Revolution anzetteln“ – das System müsse „niedergerissen werden, um etwas Besseres aufzubauen“.

Es war seine Mutter, die ihn stoppte. Sie rief die Behörden, nachdem sie die Waffenkäufe ihres Sohnes und seine verschlüsselten Chats bemerkt hatte. Sein Vater übergab das gesamte Arsenal freiwillig ans FBI.

Ein Detail, das bisher kaum berichtet wurde: Proper wurde beim Zugriff hospitalisiert. Aus dem Krankenbett nannte er den Ermittlern die Signal-Usernamen seiner Komplizen. Ohne diese Aussage wären die anderen vermutlich nie identifiziert worden.

Auch Roas Familie schlug Alarm

Auch die Familie von Bryan Roa bemerkte die Veränderung: Er schoss immer exzessiver, sein Verhalten hatte sich markant gewandelt. Auch sie informierten die Behörden.

Bei der anschließenden Hausdurchsuchung stellten Ermittler neben Gewehr, Pistole, Munition und taktischer Ausrüstung auch ein militärisches Infrarot-Laser-Zielgerät sicher. Gleichzeitig hatte Roa auf Instagram öffentlich Videos seines Waffentrainings gepostet.

Von TikTok zum Terrornetz

Im März 2026 fand die Gruppe zueinander – über eine TikTok-Gruppe namens „Vanguard of the Old“. Die ideologische Mischung war explosiv: ultrareligiös, staatsfeindlich, besessen von den Epstein-Akten und durchzogen von antisemitischen Bezügen und Elitenfeindschaft. Später wechselten die Mitglieder auf Signal und den noch hermetischeren Messenger SimpleX. Einige reisten zur Vorerkundung nach Fredericksburg, Virginia. Daniel Eskridge, 32, aus Kidder, Missouri – der fünfte Angeklagte – baute drei Wochen vor seiner Verhaftung auf seinem Grundstück einen privaten Schießstand.

Secret-Service-Chef: „Bedrohungen steigen dramatisch“

Als FBI-Direktor Patel am 10. Juni von der Bedrohung erfuhr – vier Tage vor dem Event –, lief sofort eine koordinierte Razzia über vier Bundesstaaten an. Secret-Service-Direktor Sean Curran zog danach eine ungewöhnlich deutliche Bilanz: „Die Lage hat sich verändert – wir verzeichnen einen dramatischen Anstieg der Bedrohungen gegen unsere Schutzpersonen.“

Trump, der inzwischen beim G7-Gipfel in Frankreich weilte, gab an, nicht über den Plan informiert worden zu sein. Sein Kommentar: „Der Angriff, den ich gesehen habe, waren die Kämpfer.“

Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. „Nur weil Freedom 250 vorbei ist, hören wir nicht auf“, erklärte das FBI.

Bis zu lebenslang

Den fünf Angeklagten drohen bei einer Verurteilung wegen Verschwörung zum Mord eine lebenslange Freiheitsstrafe sowie eine Geldstrafe von bis zu 250.000 Dollar. Für Verschwörung zu Gewalt auf dem Gelände des Weißen Hauses sind bis zu fünf Jahre Haft vorgesehen.

TikTok-Kontakte, Signal-Chats, Waffen, Karten, Rollenverteilung, Fluchtwege, Abschussliste mit Israel-Bezug – und ein UFC-Spektakel im Weißen Haus, das laut Ermittlern zum Schauplatz eines Massakers werden sollte. Verhindert, weil eine Mutter rechtzeitig misstrauisch wurde.