Für große Aufmerksamkeit sorgte die Präsentation der neuen Trainingsgeräte durch Stadträtin Ulli Sima, Friedhöfe-Wien-Geschäftsführerin Renate Niklas und Meidlings Bezirksvorsteher Wilfried Zankl. Die Geräte wurden im Rahmen eines neuen Nutzungskonzepts direkt auf dem Friedhofsgelände vorgestellt.

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Zahlreiche Besucher und Anrainer kritisierten die Anlage als pietätlos. In Zuschriften und sozialen Medien wurde bemängelt, dass ein Friedhof in erster Linie ein Ort der Trauer und des stillen Gedenkens sei.

Zweifel an der Rechtmäßigkeit

Nun stellt sich auch die Frage, ob die Errichtung und Bewerbung der Fitness-Anlage überhaupt mit den geltenden Vorschriften vereinbar ist.

Der ehemalige Meidlinger Bezirksrat Franz Schodl verweist auf die Wiener Bestattungsanlagenordnung. Darin ist festgelegt, dass das Verhalten auf Friedhöfen dem Ernst, der Würde und der Widmung einer Bestattungsanlage entsprechen muss. Aus seiner Sicht könnte die Nutzung der Sportgeräte im Widerspruch zu diesen Bestimmungen stehen.

Schodl fordert daher die umgehende Entfernung der Anlage und prüft nach eigenen Angaben rechtliche Schritte.

Offene Fragen bleiben unbeantwortet

Neben rechtlichen Aspekten wirft die Opposition auch Fragen zu den Kosten des Projekts auf. Ebenso wird hinterfragt, ob vor der Umsetzung Gespräche mit kirchlichen Vertretern oder anderen Betroffenen geführt wurden.

In der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung Meidling wurden entsprechende Fragen an Bezirksvorsteher Wilfried Zankl gerichtet. Dieser wies die Vorwürfe zurück und erklärte die eingebrachten Fragen für unzulässig. Konkrete Antworten blieben aus.

Politische Folgen angekündigt

Auch auf Rathaus-Ebene dürfte die Angelegenheit noch ein Nachspiel haben. Die FPÖ kündigte bereits an, eine umfangreiche Anfrage an die zuständige Stadträtin einzubringen. Darin sollen unter anderem die Entscheidungsgrundlagen, die Kosten und die rechtliche Bewertung des Projekts offengelegt werden.

Für die Kritiker steht fest: Fitnessgeräte hätten auf einem Friedhof nichts verloren. Die Stadt hingegen verteidigt das neue Nutzungskonzept als Versuch, Friedhöfe stärker als öffentliche Grün- und Erholungsräume zu öffnen.

Damit dürfte die Diskussion über die Grenzen zwischen Naherholung und Pietät in Wien noch lange nicht beendet sein.