Vor dem Kölner Landgericht mussten sich der 28-jährige Fabian Beese und die 46-jährige Judith Beadle erneut verantworten. Beide waren bereits vom Amtsgericht zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt worden und legten dagegen Berufung ein, wie der Kölner Stadtanzeiger berichtet.

Mit Bolzenschneider aufs Flughafengelände

Auslöser des Verfahrens ist eine Protestaktion vom August 2024. Damals verschafften sich die beiden Aktivisten mithilfe eines Bolzenschneiders Zugang zum Gelände des Flughafens Köln/Bonn. Nach Angaben der Ermittler schnitten sie ein Loch in einen Sicherheitszaun und gelangten so auf das Areal des Airports.

Anschließend begaben sie sich zu einer Zufahrtsstraße in der Nähe einer Start- und Landebahn und klebten sich dort mit einem Gemisch aus Klebstoff und Quarzsand auf dem Boden fest.

Die Aktion führte laut Flughafen zu erheblichen Störungen im Flugbetrieb. Sicherheitsmaßnahmen machten eine Sperre von Teilen des Flughafens erforderlich.

Tausende Passagiere betroffen

Ein Mitarbeiter des Flughafens schilderte vor Gericht die Auswirkungen der Blockade. Demnach mussten Starts unterbrochen und Abläufe kurzfristig angepasst werden. Eine Maschine im Anflug sei nach Düsseldorf umgeleitet worden.

Nach Angaben des Flughafens waren rund 3.000 Passagiere unmittelbar von Flugausfällen betroffen. Weitere etwa 10.000 Reisende mussten Verspätungen in Kauf nehmen.

Der direkte wirtschaftliche Schaden für den Flughafen wird auf rund 50.000 Euro geschätzt. In dieser Summe enthalten sind neben betrieblichen Kosten auch entgangene Einnahmen aus Gastronomie, Handel und Dienstleistungen.

Airlines könnten sechsstellige Forderungen stellen

Noch deutlich teurer könnte es für die Aktivisten durch mögliche Forderungen der Fluggesellschaften werden. Neben den geschätzten 12.000 Euro Kosten für den Polizeieinsatz prüfen verschiedene Beteiligte offenbar weitere rechtliche Schritte.

Als Vergleich gilt ein Urteil des Hamburger Landgerichts. Dort wurden zehn Klima-Aktivisten nach einer ähnlichen Flughafenblockade im Jahr 2023 zur Zahlung von rund 400.000 Euro Schadenersatz verurteilt. Damals war der Flugverkehr am Hamburger Flughafen für mehrere Stunden lahmgelegt worden.

Auch wenn die Auswirkungen in Köln geringer ausfielen, rechnen Beobachter mit möglichen Forderungen im sechsstelligen Bereich. Da in diesem Fall lediglich zwei Aktivisten beteiligt waren, könnte ein erheblicher Teil der Kosten direkt auf Beese und Beadle entfallen. Fabian Beese zeigte sich vor Gericht überrascht über das Ausmaß der Folgen. Mit Konsequenzen habe er gerechnet, erklärte er. Dass die finanziellen und juristischen Auswirkungen jedoch ein solches Ausmaß annehmen würden, habe er nicht erwartet.

Wie hoch die endgültigen Schadenersatzforderungen tatsächlich ausfallen werden, ist derzeit noch offen. Klar ist jedoch bereits jetzt: Die Protestaktion könnte die beiden Aktivisten noch viele Jahre – möglicherweise sogar ihr ganzes Leben lang – finanziell begleiten.