Im Mittelpunkt der Untersuchung stand jedoch nicht die absolute Zahl der Opfer, sondern die Frage, wie sich Kollisionen verhindern lassen. Dazu setzt der Windpark ein Radarsystem ein, das anfliegende Vogelschwärme erkennt. Wird ein bestimmter Schwellenwert überschritten, können einzelne Turbinen automatisch abgeschaltet werden.

Eine Turbine stach besonders negativ hervor

Die Auswertung brachte ein bemerkenswertes Ergebnis hervor: Eine der fünf Anlagen verursachte deutlich mehr Kollisionen als die übrigen. Warum gerade diese Turbine problematischer war, konnte nicht abschließend geklärt werden. Die Forscher vermuten jedoch, dass lokale Windverhältnisse, Geländestrukturen oder das Flugverhalten der Vögel eine Rolle spielen könnten.

Auf Basis dieser Erkenntnisse wurden die Abschaltregeln ab 2023 angepasst. Während Turbinen mit geringer Kollisionsrate häufiger in Betrieb bleiben durften, wurde die auffällige Anlage bereits bei geringerer Zugaktivität abgeschaltet.

Nebel erhöht das Kollisionsrisiko

Zusätzlich floss die Sichtweite in die Steuerung ein. Bei Nebel oder schlechter Sicht reagiert das System empfindlicher, da Vögel Hindernisse dann schlechter wahrnehmen können.

Laut den Autoren der Studie führte dieser differenzierte Ansatz zu einem deutlich besseren Verhältnis zwischen Vogelschutz und Stromproduktion. Statt den gesamten Windpark pauschal abzuschalten, konnten gezielt jene Anlagen gestoppt werden, bei denen tatsächlich ein erhöhtes Risiko bestand.

Naturschützer sehen Potenzial, aber auch Grenzen

Naturschutzexperten begrüßen den Ansatz grundsätzlich. Sie betonen jedoch, dass die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf andere Standorte übertragbar seien. Während am Gotthard vor allem ziehende Singvögel betroffen sind, können andernorts Greifvögel oder andere Arten stärker gefährdet sein. Deshalb müsse jeder Standort individuell bewertet werden.

Kritisch sehen Fachleute außerdem die Definition von „guter Sicht“. In der Studie galten Sichtweiten von mehr als 100 Metern bereits als ausreichend. Nach internationalen Standards wird ein solcher Bereich jedoch teilweise noch als Nebel eingestuft. Einige Ornithologen halten daher frühere Abschaltungen bei eingeschränkter Sicht für sinnvoll.

KI und Kameras könnten künftig helfen

Die Untersuchung reiht sich in einen internationalen Trend ein. Weltweit arbeiten Betreiber und Forscher an Technologien, die Vogelschlag an Windkraftanlagen reduzieren sollen. Neben Radarsystemen werden zunehmend Wärmebildkameras, künstliche Intelligenz und automatische Erkennungssysteme getestet. Ziel ist es, gefährliche Situationen in Echtzeit zu erkennen und Anlagen nur dann abzuschalten, wenn tatsächlich ein Risiko besteht.