Richter Juan Carlos Peinado, der seit rund zwei Jahren gegen Gómez ermittelt, sieht ausreichende Anhaltspunkte für eine Anklage. Im Raum stehen Vorwürfe der Korruption, illegalen Einflussnahme, Veruntreuung sowie Verstöße gegen Markenrechte.
Neben dem Entzug des Reisepasses muss sich Gómez künftig alle zwei Wochen bei den Justizbehörden melden. Damit verschärft das Gericht die Auflagen gegen die Frau des sozialistischen Regierungschefs deutlich.
Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht unter anderem der Vorwurf, dass an der Universität Complutense in Madrid eigens für Gómez ein Lehrstuhl geschaffen worden sein soll. Dieser habe vor allem ihrer persönlichen beruflichen Entwicklung gedient. Die Beschuldigte weist sämtliche Vorwürfe zurück.
Regierung spricht von politischer Motivation
Die spanische Regierung sowie die Sozialistische Arbeiterpartei PSOE kritisierten die Entscheidung des Richters scharf. Sie werfen ihm vor, politisch motiviert zu handeln. Auch die Staatsanwaltschaft hatte in der Vergangenheit mehrfach die Einstellung der Ermittlungen wegen fehlender Beweise beantragt.
Richter Peinado hält jedoch an seinem Kurs fest. Für Aufsehen sorgten zudem seine Aussagen, wonach man bis in die Zeit von König Ferdinand VII. zurückgehen müsse, um einen vergleichbaren Korruptionsskandal zu finden.
Besonders bemerkenswert ist, dass der Richter seine Haltung zur Reisefreiheit von Gómez geändert hat. Zuvor hatte er argumentiert, dass die Ehefrau des Regierungschefs aufgrund ihrer Lebensumstände kaum einen Fluchtanreiz habe. Nun begründete er die Verschärfung damit, dass ihr staatliche Leibwächter bei einer möglichen Flucht helfen könnten.
Weitere Korruptionsaffären belasten Regierung
Die Ermittlungen gegen Gómez sind nicht die einzige Belastung für die Regierung Sánchez. Ende Mai begann bereits ein Prozess gegen den Bruder des Ministerpräsidenten, David Sánchez. Auch ihm wird vorgeworfen, von einer eigens für ihn geschaffenen Position profitiert zu haben.
Zudem wird gegen den früheren Verkehrsminister José Luis Ábalos ermittelt. Er soll während der Corona-Pandemie Schmiergelder im Zusammenhang mit der Vergabe öffentlicher Aufträge für Schutzmasken angenommen haben.
Weitere Schlagzeilen sorgte zuletzt die Affäre um die ehemalige PSOE-Aktivistin Leire Díez. Ihr wird vorgeworfen, Teil eines Netzwerks gewesen zu sein, das Ermittlungen gegen die Regierungspartei und deren Umfeld behindern sollte.
Auch gegen den früheren spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero laufen Ermittlungen. Ihm werden unter anderem illegale Einflussnahme und Vorteilsnahme im Zusammenhang mit staatlichen Hilfen während der Corona-Pandemie vorgeworfen.
Die verschiedenen Verfahren erhöhen den politischen Druck auf Sánchez, dessen Minderheitsregierung seit Monaten mit Korruptionsvorwürfen gegen Personen aus dem direkten Umfeld konfrontiert ist.

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