Nur zwei Tage nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 fand in Großbritannien bereits eine „Emergency Demo“ unter dem Motto „Stand with Palestine“ statt. Israel hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht militärisch reagiert.
Danach folgte eine Demonstration auf die nächste. London und andere britische Städte erlebten regelmäßig riesige Gaza-Märsche. Ähnliche Bilder waren auch aus New York, Sydney und zahlreichen europäischen Metropolen zu sehen: professionell gedruckte Plakate, dieselben Parolen, dieselben politischen Forderungen.
Nach außen entstand der Eindruck einer spontanen Graswurzelbewegung – ausgelöst durch das Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung und getragen von Menschenrechtsaktivisten, Studenten und besorgten Bürgern.
Ein neuer, 129 Seiten starker Report von NGO Monitor stellt dieses Bild grundsätzlich infrage. Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass hinter den Protesten in Großbritannien eine bereits bestehende, professionell organisierte Infrastruktur stand. Diese verband etablierte Kampagnenorganisationen, gemeinnützige Vereine, internationale Geldgeber, digitale Plattformen und Akteure mit teils brisanten islamistischen Verbindungen.
Sechs Gruppen hinter 32 von 40 Protesten
Für den Report „Imported Influence“ untersuchte NGO Monitor 40 größere Demonstrationen und Mobilisierungskampagnen im Vereinigten Königreich zwischen Oktober 2023 und Mai 2026. Ausgewertet wurden Veranstaltungsunterlagen, Bündniserklärungen, Organisationswebsites, öffentliche Register, Finanzberichte und Medienmeldungen.
Das zentrale Ergebnis: Obwohl Hunderte Gruppen an einzelnen Aktionen beteiligt waren, bildeten nur sechs Organisationen den wiederkehrenden organisatorischen Kern. Mindestens eine von ihnen war an 32 der 40 untersuchten Demonstrationen beteiligt – also an 80 Prozent.
Dabei handelt es sich um die Stop the War Coalition, Friends of Al-Aqsa, die Muslim Association of Britain, das Palestinian Forum in Britain, die Palestine Solidarity Campaign und die Campaign for Nuclear Disarmament.
Der Report beschreibt diese Gruppen nicht als lose Unterstützer, die zufällig dieselben Kundgebungen bewarben. Vielmehr hätten sie wiederholt die organisatorische Infrastruktur gestellt: Mobilisierung, Kampagnenmaterial, gemeinsame Botschaften, Personal, regionale Netzwerke und Unterstützung für nationale Großdemonstrationen.
Mehrere der Kundgebungen wurden laut der Übersicht sogar von allen sechs Kerngruppen gemeinsam getragen – darunter Demonstrationen vom 9. Oktober 2023 bis weit in das Jahr 2026 hinein.
Ein seit Jahren bestehendes Aktivisten-Netzwerk
Nach Darstellung des Reports entstand diese Infrastruktur nicht erst als Reaktion auf den Gaza-Krieg. Die beteiligten Organisationen, Führungspersonen und Kampagnennetzwerke arbeiteten teilweise bereits seit vielen Jahren zusammen.
Der Gaza-Krieg habe dem bereits vorhandenen Aktivistenmilieu vielmehr ein besonders wirksames gemeinsames Thema geliefert. Gruppen, die bei Gaza-Märschen auftreten, engagieren sich demnach auch in Boykottkampagnen, Anti-Rüstungs-Protesten, Aktionen gegen die Polizei, Klimaprotesten und allgemeinen antiwestlichen Bewegungen.
Gaza sei in diesem Umfeld nicht nur ein isoliertes humanitäres Anliegen, argumentiert NGO Monitor. Der Konflikt werde auch als Rahmen genutzt, um eine breitere politische Agenda voranzutreiben.
Corbyn verbindet gleich mehrere Kerngruppen
Wie eng das Netzwerk verwoben ist, zeigen die personellen Überschneidungen. Der frühere Labour-Chef Jeremy Corbyn ist stellvertretender Präsident der Stop the War Coalition, Vizepräsident der Campaign for Nuclear Disarmament und Schirmherr der Palestine Solidarity Campaign. Damit bekleidet er Funktionen in gleich drei der sechs zentralen Organisationen.
Auch andere führende Aktivisten sind gleichzeitig in mehreren Vereinen, Bündnissen und Kampagnenorganisationen tätig. Nach Einschätzung von NGO Monitor bestehen viele Gruppen daher nur formal als getrennte Organisationen, während Führungspersonal, politische Ziele und Mobilisierungsstrukturen eng ineinandergreifen.
Mindestens elf Organisationen mit brisanten Verbindungen
Besonders schwer wiegt ein weiterer Befund des Reports: Bei mindestens elf der 40 untersuchten Organisationen dokumentiert NGO Monitor Verbindungen zu extremistischen Organisationen – oder Kontakte und Kooperationen führender Funktionäre mit entsprechenden Akteuren.
Genannt werden die Hamas, die Hisbollah, das iranische Regime und dessen Revolutionsgarden, die Terrororganisation PFLP sowie die Muslimbruderschaft.
Zu den im Report hervorgehobenen Fällen gehört Ismail Patel, der Gründer von Friends of Al-Aqsa. Er wurde gemeinsam mit dem in der Zwischenzeit getöteten Hamas-Führer Ismail Haniyeh fotografiert.
Muhammad Kathem Sawalha, der Gründer der Muslim Association of Britain, wird als früheres Mitglied des politischen Büros der Hamas bezeichnet.
Zaher Birawi, bis Februar 2026 Vorsitzender des Palestinian Forum in Britain, wurde laut Report von den USA wegen Verbindungen zu einer Organisation sanktioniert, die Washington als Hamas-Front einstuft.
Der Mitbegründer der Stop the War Coalition, John Rees, trat demnach bei einer Konferenz gemeinsam mit einem Mitglied des politischen Hamas-Büros und einer führenden Hisbollah-Vertreterin auf.
Massoud Shadjareh, Vorsitzender der Islamic Human Rights Commission, erklärte laut Report, „wir sind alle Hisbollah“, und äußerte sich anerkennend über das iranische Regime.
Allerdings umfasst der Begriff „Verbindungen“ sehr unterschiedliche Sachverhalte. Er reicht von früheren Führungsfunktionen und institutionellen Beziehungen bis zu gemeinsamen Veranstaltungen, persönlichen Treffen, Fotos oder Äußerungen einzelner Funktionäre. Nicht jeder der elf Fälle besitzt daher dasselbe Gewicht.
Extremistische Ziele bekommen Legitimität
Der Report behauptet ausdrücklich nicht, dass jeder Teilnehmer an einer Gaza-Demonstration Islamist oder Anhänger einer Terrororganisation sei.
Viele Menschen gingen aus ehrlicher Sorge um palästinensische Zivilisten auf die Straße. Auch das Recht auf Protest und der Großteil des britischen gemeinnützigen Sektors werden in dem Bericht nicht grundsätzlich infrage gestellt.
Der entscheidende Vorwurf richtet sich vielmehr gegen die Infrastruktur hinter den Märschen: Professionelle Akteure mit politischen Interessen hätten die Empörung zahlreicher Menschen kanalisiert und für dauerhaft organisierte Kampagnen genutzt.
Dabei könnten etablierte Menschenrechtsorganisationen und gemeinnützige Vereine extremistischen Narrativen gesellschaftliche Legitimität verschaffen – selbst wenn viele ihrer Unterstützer diese weitergehenden Ziele weder kennen noch teilen.
13 Organisationen außerhalb jeder formellen Regulierung
Undurchsichtig sind nicht nur die politischen Beziehungen, sondern auch die Strukturen und Geldflüsse.
Von den 40 untersuchten Organisationen sind laut Report zehn als gemeinnützige Organisationen registriert, acht als Unternehmen und neun als Mischkonstruktionen. Weitere 13 operieren außerhalb jedes formellen britischen Regulierungsrahmens – obwohl einige von ihnen öffentlich Spenden sammeln und seit Jahren oder sogar Jahrzehnten politische Kampagnen betreiben.
Damit unterliegen sie keinen vergleichbaren Offenlegungspflichten. Oft bleiben Einnahmen, Großspender, Ausgaben, Eigentumsverhältnisse und die Verwendung der Gelder weitgehend unbekannt.
Nach Einschätzung von NGO Monitor fließen Millionen Pfund über Mitgliedsbeiträge, private Spenden, Stiftungen, internationale Aktivistenplattformen und teilweise Kryptowährungen in das Protestumfeld. Wegen der fehlenden Transparenz lasse sich das tatsächliche Gesamtvolumen jedoch nicht feststellen.
Auch der Steuerzahler finanziert Organisationen im Netzwerk
Laut Report erhalten 19 der untersuchten Organisationen britische öffentliche Unterstützung – entweder unmittelbar über das Außenministerium oder indirekt über das steuerbegünstigte Gift-Aid-System.
Mindestens elf erhalten darüber hinaus Steuergeld aus dem Ausland. Genannt werden die USA, Belgien, Irland, Norwegen, Schweden, die Schweiz und die Europäische Kommission.
Hinzu kommen finanzielle oder organisatorische Hilfen durch amerikanische Stiftungen und Aktivistenplattformen. NGO Monitor nennt unter anderem die Open Society Foundations, den Rockefeller Brothers Fund, Cultures of Resistance und Action Network.
Der Report wirft den Geldgebern vor, damit nicht bloß humanitäre Hilfe zu unterstützen. Die Förderungen würden auch Personal, Kommunikation, Koalitionsbildung, Boykottkampagnen, Lobbyarbeit und langfristige politische Infrastruktur stärken.
Allerdings belegt die Untersuchung nicht in jedem Fall, dass eine konkrete staatliche oder europäische Förderung unmittelbar für eine bestimmte Demonstration ausgegeben wurde. Fest steht, dass öffentlich finanzierte Organisationen zugleich im untersuchten Protest- und Kampagnenumfeld aktiv sind.
Iran soll Aktivisten in Großbritannien angeworben haben
Der Report verweist außerdem auf eine britische Undercover-Recherche vom Mai 2026. Demnach sollen mutmaßlich mit iranischen Geheimdiensten verbundene Akteure über Telegram versucht haben, Personen in Großbritannien anzuwerben.
Ein verdeckt arbeitender Journalist hat Geld dafür angeboten bekommen, antiisraelisches Propagandamaterial zu verbreiten, weitere Teilnehmer zu rekrutieren und eine Demonstration gegen Israel und die USA zu organisieren.
Der Vorgang deutet auf eine weitere Ebene hin: Feindliche Staaten müssen Protestbewegungen nicht vollständig selbst aufbauen. Es genügt, vorhandene Strukturen, Narrative und Aktivistennetzwerke gezielt zu finanzieren oder für eigene Einflussoperationen auszunutzen.
Großbritannien als Knotenpunkt eines größeren Netzwerks?
Der Report untersucht systematisch nur Großbritannien. Die britische Infrastruktur ist jedoch keineswegs ausschließlich national. Geldgeber, Plattformen, Kampagnenorganisationen und einzelne beteiligte Netzwerke sind international tätig. Manche der untersuchten Akteure treten auch in den USA oder anderen Ländern auf.
Damit stellt sich die Frage: Ist Großbritannien ein Sonderfall – oder lediglich ein besonders gut dokumentierter Knotenpunkt eines größeren, grenzüberschreitenden Protestökosystems?
NGO Monitor selbst spricht von einem international vernetzten und finanzierten System. Die Untersuchung zeigt, wie schnell vorhandene Aktivistenstrukturen nach dem 7. Oktober mobilisiert werden konnten – und wie wenig Behörden und Öffentlichkeit über ihre Finanzierung, Führung und internationalen Beziehungen wissen.„Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit, sed do eiusmod tempor incididunt ut labore et dolore magna aliqua. Ut enim ad minim veniam, quis nostrud exercitation ullamco laboris nisi ut aliquip ex ea commodo consequat.“

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