Der bekannte österreichische Publizist und exxpress-Kolumnist Christian Ortner verließ die Wiener Staatsoper am Sonntagabend fassungslos. Nicht wegen der „Tosca“-Inszenierung. Nicht wegen Anna Netrebko in der Hauptrolle. Sondern wegen der Buhrufe gegen den israelischen Dirigenten Daniel Oren zu Beginn und am Ende des dritten Akts. „Daniel Oren wurde ausgebuht. Seine Arbeit an dem Abend war makellos. Der Mann ist Israeli. Das ist widerlich“, schrieb Ortner auf X.

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Gegenüber dem exxpress präzisiert er: „Für mich waren das keine normalen Buh-Rufe, sondern ein Gebrüll und Geschrei. Das hat eher an Anti-Israel-Demos und antisemitische Ereignisse erinnert.“

Diesen Eindruck hätten auch andere erfahrene Opernbesucher geteilt.

Nur wenige schrien

Es sei kein klassisches Buh-Konzert des ganzen Saals gewesen, wie man es nach provokanten Inszenierungen oder eigenwilligen Bühnenbildern immer wieder erlebt. Die Rufe seien nur von zehn bis fünfzehn Personen ausgegangen – dafür umso aggressiver. Diese hätten nicht einfach gebuht, sondern auf den Dirigenten regelrecht eingebrüllt.

Wiener Staatsoper: Buh-Eklat um israelischen Dirigenten verstört das Publikum.
Wiener Staatsoper: Buh-Eklat um israelischen Dirigenten verstört das Publikum.

Für ihn war das Dirigat „astrein“

Gerade weil das Dirigat aus Ortners Sicht überzeugte, erscheinen ihm andere Motive naheliegend: „Für mich war das künstlerisch astrein“, sagt er.

Eine rein musikalische Erklärung für die Reaktionen hält er daher für wenig überzeugend – auch wenn er sie nicht völlig ausschließen will. „Ich kann natürlich nicht zu 100 Prozent sagen, dass die Rufe nicht künstlerisch motiviert waren.“

Für ihn war das Dirigat „astrein“

Mehrere Medien bewerteten die Buh-Rufe anders. Die Krone urteilte etwa: „Heftige Buhs gab’s für Dirigent Daniel Oren vor und nach dem 3. Akt: Feinfühligkeit und feine Farben sind nicht seine Stärke.“

So deutete es auch die Presse, obwohl sie Orens Interpretation eigentlich lobte, von „tadellosem Timing“ und „drastischen orchestralen Höhepunkten“ sprach. „Am Beginn des dritten Aktes und am Ende provozierte das einige Buhs. War es stellenweise mehr ein Konzert in Kostüm und Maske?“, fragte sie.

Mit anderen Worten: Die Berichte führen die Reaktionen vor allem auf Orens Dirigat zurück. Zahlreiche Besucher erlebten den Abend jedoch anders.

Staatsoper bleibt vage

Die Staatsoper erklärte auf Anfrage von Heute, Mitarbeiter im Haus hätten vereinzelte Buhrufe wahrgenommen. Warum diese Gäste buhten, könne man nicht sagen.

Fest steht: Politisch aufgeladene oder antisemitisch wahrgenommene Zwischenrufe stoßen im Wiener Konzert- und Opernpublikum auf Ablehnung – das zeigte sich bereits im September im Musikverein, als ein Konzert des israelischen Dirigenten Lahav Shani durch „Free Palestine“-Rufe, Flugblätter und eine Störaktion unterbrochen wurde.

Entsprechend heftig fallen nun auch die Reaktionen auf X aus.