Österreich wächst weiter. Aber nicht mehr aus eigener Kraft. Zu Jahresbeginn 2026 lebten 9,22 Millionen Menschen im Land. Das waren nur 18.743 mehr als ein Jahr zuvor. Das Plus von 0,2 Prozent ist das schwächste Bevölkerungswachstum seit 2009.
Kinderzahl pro Frau auf Tiefstand
Der Grund für das kleine Plus sind nicht die Geburten. Im Gegenteil: 2025 wurden in Österreich 76.067 Kinder geboren, gleichzeitig starben 87.902 Menschen. Damit gab es 11.835 mehr Sterbefälle als Geburten. Die Geburtenbilanz war bereits zum sechsten Mal in Folge negativ.
Auch die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau fiel auf einen historischen Tiefstand. Sie lag 2025 nur noch bei 1,30. Zum Vergleich: 2016 waren es noch 1,53 Kinder pro Frau. Für eine stabile Bevölkerung wären langfristig rund 2,1 Kinder pro Frau nötig.

Nur Zuwanderung hält die Zahl im Plus
Dass Österreich dennoch wächst, liegt laut Statistik Austria ausschließlich an Zuwanderung. 2025 zogen knapp 162.000 Menschen aus dem Ausland nach Österreich, rund 131.000 wanderten weg. Unterm Strich blieb ein Wanderungsplus von knapp 31.000 Personen.
Knapp 1,9 Millionen Menschen ohne österreichischen Pass
Der Anteil ausländischer Staatsangehöriger stieg damit weiter. Anfang 2026 lebten knapp 1,9 Millionen Menschen ohne österreichischen Pass im Land. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung lag bei 20,4 Prozent. In Wien waren es 36,8 Prozent.
Die Frage hinter der Statistik
Ob der Absturz der Geburtenrate direkt mit wachsendem Pessimismus zusammenhängt, lässt sich aus den Zahlen allein nicht beweisen. Auffällig ist aber: Der jüngste Einbruch fällt in eine Phase großer Verunsicherung – Pandemie, Inflation, Krieg, Wohnkosten, wirtschaftliche Stagnation.
Der langfristige Ausblick verschärft das Bild. Die Statistik Austria rechnet damit, dass Österreichs Bevölkerung nur noch bis in die 2040er-Jahre wächst. Danach dürfte sie wieder sinken. Der Grund: Die Geburtendefizite könnten dann größer sein als die Wanderungsgewinne.
Drei Stimmen zum Baby-Tief
Der exxpress hat dazu drei Stimmen mit sehr unterschiedlichen Perspektiven befragt: Gudrun Kugler, ÖVP-Nationalratsabgeordnete und OSZE-Sonderbeauftragte für demografischen Wandel und Sicherheit; Thomas Fent, Demograf am Vienna Institute of Demography der Österreichischen Akademie der Wissenschaften; und Johannes Reinprecht, Direktor des Instituts für Ehe und Familie der Österreichischen Bischofskonferenz.
Kugler: „Jede Generation halbiert sich“
Kugler setzt bei der demografischen Wucht der Entwicklung an. Bei einer heimischen Geburtenrate von 1,0 (Großeltern bereits in Österreich) halbiere sich jede Generation, warnt sie. Besonders drastisch sei der Blick auf junge Österreicher im wehrfähigen Alter: 1982 habe es rund 65.000 17-jährige Österreicher gegeben, heute seien es nur noch etwas mehr als 40.000 – obwohl die Gesamtbevölkerung um rund 20 Prozent gewachsen ist. Für Kugler ist das nicht nur familienpolitisch, sondern auch geo- und sicherheitspolitisch besorgniserregend.
Kinderlosigkeit als Kernproblem
Einen zentralen Punkt sieht Kugler in der gestiegenen Kinderlosigkeit. Nicht die Kinderzahl jener Frauen, die Mütter werden, sei das eigentliche Problem, sondern der Anteil jener Frauen, die gar keine Kinder bekommen. Dieser sei seit den 1980er-Jahren stark gestiegen.
Weiblichkeit, Familie, Lebensmodell
Kugler sieht dahinter auch einen kulturellen Wandel. Weiblichkeit sei zunehmend als Nachteil verstanden worden, Gleichberechtigung mit einem männlichen Lebenslauf gleichgesetzt. Dadurch sei die besondere Fähigkeit von Frauen, Kinder zu bekommen, aus dem Blick geraten. Ihre Forderung: eine neue Erzählung, die Frauen stärkt und zugleich „die Besonderheit ihres Frauseins wertschätzt“.
Fent: Kein Kriseneffekt, sondern 60-Jahre-Trend
Thomas Fent widerspricht einfachen Erklärungen. Der Rückgang sei kein kurzfristiger Kriseneffekt, sondern ein Trend seit dem Babyboom der 1960er-Jahre. Der globale Trend gehe in den meisten Weltregionen nach unten – auch dort, wo die Fertilität derzeit noch hoch ist.
Karriere, Timing, Partnerschaft
Fent nennt konkrete Barrieren: leistbares Wohnen, finanzielle Belastung, Karriereplanung, spätere Familiengründung, instabilere Partnerschaften und Kinderbetreuung. Heute sei höhere Bildung für beruflichen Erfolg oft Voraussetzung. Bis Ausbildung, Karriere, Partnerschaft und Haushalt stehen, sei es aus biologischer Sicht oft schon spät.
Fent kritisiert Österreichs Anreize
Besonders deutlich wird Fent beim Steuer- und Transfersystem. Dieses sei über den gesamten Lebenszyklus gesehen so gestaltet, dass es vorteilhaft sei, keine oder nur wenige Kinder zu haben. Wer kinderlos bleibt, erspare sich nicht nur die Kosten von Kindern, sondern könne sich stärker auf die Karriere konzentrieren – und bekomme später eine höhere Pension, finanziert durch die Beiträge der Kinder anderer Leute.
Zuwanderung – aber welche?
Auch bei der Zuwanderung sieht Fent Grenzen. Österreich wachse zwar über Zuwanderung, sei für gut qualifizierte Zuwanderer wegen hoher Steuern aber wenig attraktiv. Damit stellt sich nicht nur die Frage, ob Österreich wächst, sondern auch, wer kommt – und wer ausbleibt.
Reinprecht: Familie braucht Vertrauen
Johannes Reinprecht setzt beim gesellschaftlichen Klima an. Für ihn entscheidet sich die Kinderfrage nicht nur an Einkommen, Wohnung oder Vereinbarkeit. „Mindestens ebenso wichtig ist jedoch, ob junge Menschen Vertrauen in die Zukunft haben und erleben, dass Familie gesellschaftlich wertgeschätzt und unterstützt wird.“
„Kosten, Karriereverzicht oder Überforderung“
Reinprechts stärkster Punkt ist das Bild von Familie selbst. „Wenn Familien vor allem unter dem Blickwinkel von Kosten, Karriereverzicht oder Überforderung wahrgenommen werden, prägt das auch die Lebensentscheidungen junger Menschen.“ Sein Gegenbild: Kinder seien „keine Belastung, sondern ein großes Gut für unsere Gesellschaft“.
Die vollständigen Stellungnahmen im Wortlaut
Gemeinsam ist allen drei Experten ein Punkt: Das Baby-Tief ist nicht nur Folge von Geld oder Betreuung. Es geht auch um Kultur und Lebensentwürfe – und um die Frage, ob Familie in Österreich noch als wichtige und anzuerkennende Zukunftsperspektive gilt.
Im Folgenden dokumentiert der exxpress die drei Stellungnahmen ausführlich: Gudrun Kugler über Kinderlosigkeit, Weiblichkeit und demografische Sicherheitsfragen; Thomas Fent über den langfristigen Fertilitätsrückgang, falsche Anreize und „Barrierefreiheit für Familien“; Johannes Reinprecht über Vertrauen, Anerkennung und den gesellschaftlichen Wert von Kindern.
GUDRUN KUGLER
Geburtenraten brechen weltweit ein
Jedes Jahr hören wir von einem neuen historischen Tief. Die Geburtenraten brechen auf nahezu der ganzen Welt ein, nicht nur in Europa. Auch Indien, Aserbaidschan und weite Teile Lateinamerikas liegen mittlerweile unter dem Bestandserhaltungsniveau.
Europa liegt seit Jahrzehnten unter dem Bestandserhaltungsniveau
Für Österreich und Europa ist die Situation besonders problematisch, weil wir bereits seit den 1970er Jahren unter dem Bestandserhaltungsniveau liegen, während diese Entwicklung in den meisten anderen betroffenen Ländern erst deutlich später eingesetzt hat. Man kann daher sagen: Wir haben nicht nur zu wenige Kinder, sondern auch zu wenige Menschen, die zu wenige Kinder haben. Bei einer Geburtenrate von 1,0 (Schätzung für Menschen, deren Großeltern bereits in Österreich lebten) halbiert sich jede Generation. Dieses eine Kind hat keine Geschwister, keine Cousins und Cousinen, keine Onkel und Tanten.
Auch eine Sicherheitsfrage
Besonders eindrücklich zeigt sich diese Entwicklung bei den Rekruten: 1982 gab es in Österreich rund 65.000 17-jährige Österreicher, heute sind es nur noch etwas mehr als 40.000. Gleichzeitig ist die österreichische Gesamtbevölkerung um rund 20 Prozent gewachsen. Das ist eine geo- und sicherheitspolitisch besorgniserregende Entwicklung.
Das Kernproblem: Kinderlosigkeit
Österreich soll nach den Prognosen erst ab etwa 2040 zu schrumpfen beginnen, derzeit wächst die Bevölkerung noch, nicht allein aufgrund der Zuwanderung, sondern auch wegen der steigenden Lebenserwartung. Deutschland schrumpft bereits. Prognosen zufolge wird Deutschland im Jahr 2060 rund zehn Millionen Einwohner weniger haben.
Warum haben die Menschen so wenige Kinder? Statistisch betrachtet liegt das Problem nicht in der Kinderzahl jener Frauen, die Mütter werden. Die durchschnittliche Kinderzahl pro Mutter liegt seit den 1980er Jahren relativ konstant bei rund 2,25. Das eigentliche Problem ist die stark gestiegene Kinderlosigkeit: Der Anteil kinderloser Frauen ist im selben Zeitraum von rund 4 Prozent auf 38,5 Prozent gestiegen.
„Nicht ich“, „nicht jetzt“, „nicht möglich“
Die Ursachen der Kinderlosigkeit lassen sich auf drei Gruppen verdichten:
„Nicht ich“ mit veränderten Werten, negativer Haltung zur Elternschaft, fehlendem Kinderwunsch und Untergangsstimmung;
„Nicht jetzt“ mit dem Warten auf den perfekten Zeitpunkt, „Karriere zuerst“, „jetzt mal das Leben genießen“ und einem immer höheren Erstgebärendenalter;
„Nicht möglich“ wegen fehlendem passenden Partner, biologischer Gründe oder verringerter Fruchtbarkeit, fehlendem Wohnraum oder weil Kinder als nicht leistbar empfunden werden.
Weiblichkeit und kultureller Wandel
Dahinter liegt ein tiefer kultureller Wandel in den letzten Jahrzehnten: Weiblichkeit wurde zunehmend als Nachteil verstanden, Gleichberechtigung mit einem männlichen Lebenslauf gleichgesetzt, Kinder als Belastung und gesellschaftliche Anerkennung vor allem über Erwerb und Einkommen definiert. So geriet die besondere Fähigkeit von Frauen, Kinder zu bekommen, aus dem Blick. Die frühe feministische Kritik an der Benachteiligung von Frauen war berechtigt, doch die gesellschaftlichen Antworten darauf haben neue Probleme geschaffen. Wir brauchen deshalb eine neue Erzählung und ein Menschenbild, das Frauen wirklich stärkt, ihre gleiche Würde und wesentlichen gesellschaftlichen Beiträge anerkennt und zugleich auch die Besonderheit ihres Frauseins wertschätzt.
Die Kinderwunsch-Lücke
Die Kinderwunsch-Lücke ist die Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Europäer wünschen sich im Durchschnitt etwa zwei Kinder, bekommen aber im Schnitt mehr als „ein halbes Kind“ weniger.
OSZE fordert aktives Gegensteuern
Die OSZE Parlamentarische Versammlung hat im Juli 2025 einstimmig gefordert, sinkende Geburtenraten und die Alterung der Gesellschaft aktiv anzugehen, Elternschaft positiv darzustellen, über die Folgen eines aufgeschobenen Kinderwunsches aufzuklären und Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Menschen ihren Kinderwunsch verwirklichen können, auch wenn sie sich eine größere Familie wünschen.
Folgen für Pensionen, Pflege, Sicherheit und Zusammenhalt
Die Auswirkungen des demografischen Wandels sind vielfältig: Pensionssysteme geraten unter Druck, Gesundheits- und Pflegekosten steigen, Staatsschulden nehmen zu, geopolitische Sicherheitsrisiken wachsen, der Arbeitskräftemangel verschärft sich und die Produktivität sinkt. Gleichzeitig breitet sich Einsamkeit aus, die ländliche Infrastruktur ist immer schwerer aufrechtzuerhalten, die Demokratie altert, der gesellschaftliche Zusammenhalt schwindet und Migration bringt zusätzliche Nebenwirkungen mit sich.
THOMAS FENT
Kein kurzfristiger Effekt, sondern ein Trend seit 60 Jahren
„Das ist kein kurzfristiger Kriseneffekt“, sagt Thomas Fent vom Vienna Institute of Demography der Österreichischen Akademie der Wissenschaften auf exxpress-Anfrage. „Die Fertilität sinkt seit dem Babyboom der 1960er Jahre beständig.“ Zwischen 2001 und 2016 habe es zwar eine Phase leichten Anstiegs gegeben, doch der globale Trend zeige in den meisten Weltregionen klar nach unten – „auch in den Ländern, die derzeit noch eine hohe Fertilität haben“.
Wohnen, Geld, Karriere: Warum sich Paare gegen Kinder entscheiden
Die Gründe seien vielschichtig, so der Demograf. „Für viele Familien ist leistbarer Wohnraum in ausreichender Größe eine große Hürde.“ Bei einkommensschwachen Familien wirke vor allem der finanzielle Druck: „Die Konsumausgaben belasten das Haushaltsbudget.“
Bei gut ausgebildeten, einkommensstarken Paaren spielten dagegen die Opportunitätskosten eine größere Rolle. „Die Leute wollen die in ihre Bildung investierte Zeit und Anstrengung durch hohes Einkommen und beruflichen Erfolg kompensiert haben.“ Fent verweist darauf, dass in den meisten hoch entwickelten Ländern Familien mit hohem sozioökonomischem Status weniger Kinder haben. Eine bemerkenswerte Ausnahme sei Dänemark: Dort hätten Frauen mit höherem Bildungsniveau mehr Kinder.
Hinzu komme das Timing. „Heute ist postsekundäre oder tertiäre Bildung Voraussetzung für eine berufliche Karriere. Bis die Leute etabliert sind, Partnerschaft und Haushalt stehen und die Bereitschaft für Kinder da ist, sind sie aus biologischer Sicht oft schon etwas zu spät dran.“ Verschärft werde das durch die zunehmende Instabilität von Partnerschaften.
Auch Kinderbetreuung und Vereinbarkeit seien zentrale Faktoren: leistbare, gut erreichbare Betreuung, passende Öffnungszeiten und gute Qualität.
Steuer- und Transfersystem macht Kinderlosigkeit finanziell vorteilhaft
Besonders deutlich wird Fent beim Steuer- und Transfersystem. „Das Steuer- und Transfersystem in Österreich ist so gestaltet, dass es über den gesamten Lebenszyklus gesehen vorteilhaft ist, keine oder nur wenige Kinder zu haben.“
Und weiter: „Wer kinderlos bleibt, erspart sich nicht nur die Lebenshaltungskosten der Kinder, sondern kann sich ungestört auf die Karriere konzentrieren – und bekommt dadurch später sogar eine höhere Pension, finanziert durch die Beiträge der Kinder anderer Leute.“
Ein kleinerer Teil der Bevölkerung verzichte zudem aus Zukunftsängsten bewusst auf Kinder – etwa wegen Klimawandel oder anderer düsterer Erwartungen.
Zuwanderung als Wachstumsmotor – aber mit Grenzen
Dass Österreichs Bevölkerungswachstum praktisch nur noch über Zuwanderung läuft, habe langfristig kulturelle und gesellschaftliche Folgen, so Fent. Problematisch sei dabei auch die Attraktivität Österreichs für Fachkräfte. „Für gut qualifizierte Zuwanderer ist Österreich aufgrund der hohen Steuern eher unattraktiv.“
Er nennt ein konkretes Beispiel: „Mir hat ein Kleinunternehmer erzählt, dass er qualifizierte Arbeitskräfte gefunden hat, die nach Österreich kommen wollten – und es sich anders überlegt haben, als sie erfahren haben, wie wenig ihnen netto bleibt.“
Bis 2019 sei die Geburtenbilanz trotz niedriger Fertilität noch positiv gewesen. Das erklärt Fent mit zwei demografischen Effekten: Durch die steigende Lebenserwartung gab es weniger Todesfälle. Zugleich gab es durch die früher höhere Fertilität noch relativ viele Frauen im gebärfähigen Alter. Dieser demografische Nachlaufeffekt verliert nun an Kraft.
Israels Sonderweg: Familie, Staat und Gesellschaft
Zur Ausnahmestellung Israels im OECD-Vergleich nennt Fent ein ganzes Bündel an Faktoren: staatliche und familiäre Unterstützung für Kindererziehung, die gesellschaftliche Bedeutung von Frauenbeschäftigung und Fertilität, politische Maßnahmen zur Unterstützung berufstätiger Mütter innerhalb eines konservativen Sozialsystems sowie ein Familiensystem, in dem Eltern ihre erwachsenen Kinder erheblich finanziell und bei der Betreuung unterstützen.
Hinzu kämen relativ egalitäre Einstellungen zu Geschlechterrollen und Haushaltsverhalten sowie „die anhaltende Bedeutung der familienorientierten Ideologie und der Ehe als soziale Institution“.
„Barrierefreiheit für Familien“
„Ich verwende gerne den Begriff Barrierefreiheit für Familien“, sagt Fent. „Jede einzelne Hürde, die entfernt oder gemildert wird, kann dazu führen, dass Kinder geboren werden, die sonst nicht geboren würden.“
Dabei spielten auch soziale Effekte eine wichtige Rolle. „Wenn im Freundes-, Bekannten- oder Verwandtschaftskreis ein Kind geboren wird, bestärkt das andere Paare, sich selbst auch auf das Abenteuer Familiengründung einzulassen.“ Langfristig könne so „jede noch so kleine Abschwächung einer Barriere“ viele zusätzliche Geburten anstoßen.
JOHANNES REINPRECHT
Familie braucht Zukunftsvertrauen
Mein persönliches Resümee: Die historisch niedrige Geburtenrate ist nicht nur eine demographische, sondern auch eine gesellschaftliche Herausforderung. Die Entscheidung für Kinder hängt zwar auch von leistbarem Wohnen, finanzieller Sicherheit und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ab. Mindestens ebenso wichtig ist jedoch, ob junge Menschen Vertrauen in die Zukunft haben und erleben, dass Familie gesellschaftlich wertgeschätzt und unterstützt wird. Wo Familien Vertrauen, Anerkennung und Unterstützung erfahren, wächst auch die Bereitschaft, Verantwortung für die nächste Generation zu übernehmen.
Kinder sind keine Belastung
Kinder sind keine Belastung, sondern ein großes Gut für unsere Gesellschaft. Wenn Familien vor allem unter dem Blickwinkel von Kosten, Karriereverzicht oder Überforderung wahrgenommen werden, prägt das auch die Lebensentscheidungen junger Menschen. Es braucht daher eine Kultur, die Ehe, Familie und Elternschaft wieder als bereichernde Lebensperspektive sichtbar macht und die Leistungen von Familien anerkennt.
Demographiepolitik ist Zukunftspolitik
Politisch braucht es verlässliche Rahmenbedingungen für Familien, gesellschaftlich mehr Solidarität zwischen den Generationen und kulturell ein neues Bewusstsein dafür, dass die Zukunft einer Gesellschaft immer auch davon abhängt, ob Menschen den Mut haben, Kinder willkommen zu heißen. Eine nachhaltige Demographiepolitik ist deshalb weit mehr als Familienförderung – sie ist eine Investition in die Zukunft unseres Landes.

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