Die “Angst der ersten Stunden” sei überwunden, hieß es. “Der Bagger wird die Trümmer weiter entfernen. Die Sicherung des Gebäudes bleibt ein zentrales Ziel. Die Decken werden genau überprüft, um das darunterliegende Archiv zu schützen”, betonte Hochbaulandesrat Christian Bianchi.
Gleichzeitig werde “alles unternommen, um die Fassade zu sichern”, sagte der Forza-Italia-Politiker in einer Aussendung des Landes. Am Wochenende werde zudem die Abdeckung des Gebäudes, das seit 2018 im Eigentum des Landes steht, durch die Berufsfeuerwehr beginnen. Dafür seien bereits Geotextilplanen beschafft worden. Der Platz rund um das Gebäude wurde indes gesperrt und auch während der Nacht überwacht.
Auch die Ursache des Einsturzes werde weiterhin untersucht. Die Bozner Staatsanwaltschaft leitete Untersuchungen wegen des fahrlässigen Einsturzes eines Bauwerks ein – vorerst gegen Unbekannt, berichtete die Südtiroler Tageszeitung “Dolomiten”. Wie das Land am Donnerstag bekanntgegeben hatte, liefen in dem Gebäude zuletzt Umbau- und Erweiterungsarbeiten. Es habe sich um wichtige Arbeiten zur Verbesserung der Statik gehandelt.
"Nur knapp verhinderte Tragödie"
Mindestens ein Viertel des Justizpalasts war kurz nach 6.20 Uhr plötzlich in sich zusammengefallen. Der aus vier Stockwerken bestehende mittlere Gebäudeteil mit Verhandlungssälen stürzte ein. Im Bereich hinter den Säulengängen des Landesgerichts klaffte ein Loch, Steine und Gebäudeteile lagen am Platz. Glück im Unglück: Im Gebäude befanden sich “nur” sechs Mitarbeiter einer Reinigungsfirma, von denen eine Frau von einem herabstürzenden Gebäudeteil getroffen und leicht verletzt wurde. Gerichtspersonal bzw. Mitarbeiter waren zu der Uhrzeit nicht zugegen. Rund 150 arbeiten normalerweise im Gerichtsgebäude. Generalstaatsanwalt Corrado Mistri sprach von einer “nur knapp verhinderten Tragödie”.
Arbeitsplätze müssen umgesiedelt werden
Unterdessen galt es auch, die Arbeitsplätze aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umzusiedeln, damit die Arbeit des Gerichts weitergehen kann. Es wurde nach einer Immobilie gesucht, in der 150 bis 200 Personen in Büros untergebracht werden können. Die Landesregierung um Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) begann bereits damit, zu prüfen, welche Ersatzräumlichkeiten man zur Verfügung stellen könne. Die Regierung befasste sich in ihrer Sitzung am Freitag etwa auch mit der Suche nach einem Ersatzstandort für das Amt für Sprachgruppenzugehörigkeit. Dieses Amt gehöre zu den grundlegenden Einrichtungen für das Funktionieren der Südtiroler Dienste. Es müsse dringend ein neuer Standort gefunden werden. Um Wettbewerbe, Ausschreibungen und Verwaltungsverfahren fortsetzen zu können, erließ Kompatscher eine Dringlichkeitsmaßnahme. Denn die im Justizgebäude verwahrten Sprachgruppenzugehörigkeitserklärungen können vorübergehend weder eingesehen noch eingeholt werden. Mit der erlassenen Anordnung werde deshalb die Verpflichtung zur Vorlage beziehungsweise Einholung dieser Erklärung bis auf weiteres ausgesetzt, teilte das Land mit.

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