Die Gewaltschutzzentren Oberösterreich haben am Donnerstag ihre Halbjahresbilanz präsentiert. Im ersten Halbjahr stieg die Zahl der betreuten Klienten leicht an. 2025 wurden im Bundesland zudem 2.422 Betretungs- und Annäherungsverbote ausgesprochen. In solchen Fällen wird das Gewaltschutzzentrum automatisch eingeschaltet und unterstützt die Betroffenen.
Neben den aktuellen Zahlen standen diesmal vor allem Entwicklungen in sozialen Netzwerken im Mittelpunkt. Vorsitzende Sonja Ablinger und Geschäftsführerin Eva Schuh sehen darin einen zunehmenden Einfluss auf Jugendliche in einer sensiblen Phase ihrer Identitätsentwicklung.
Tradwives und Manosphere im Visier
Im Mittelpunkt der Warnungen stehen die sogenannten „Tradwives“ und „Stay at Home Girlfriends“. Dabei handelt es sich um Social-Media-Influencer, die in sozialen Netzwerken ein klassisches Familienmodell zeigen und für eine traditionelle Rollenverteilung werben.
Das Gewaltschutzzentrum sieht darin jedoch mehr als einen Lifestyle-Trend. Es warnt, dass dabei auch Rollenbilder vermittelt würden, wonach sich Frauen dem Mann unterordnen, sich um Haushalt und Familie kümmern, ihm „auch sexuell“ jederzeit zur Verfügung stehen und akzeptieren sollten, dass „er das letzte Wort“ habe. Zusammen mit den Inhalten der sogenannten „Manosphere“ sieht das Gewaltschutzzentrum darin Entwicklungen, die Gewalt gegen Frauen und problematische Beziehungen begünstigen könnten.
Kulturfrage nicht entscheidend
Während das Gewaltschutzzentrum den Einfluss sozialer Medien in den Mittelpunkt seiner Warnungen stellt, misst es kulturellen Prägungen deutlich weniger Bedeutung bei. Sonja Ablinger erklärte, sie sehe „weniger eine Kulturfrage“ – also etwa, ob Jugendliche konservativen muslimischen Milieus entstammen – als entscheidend. Im Mittelpunkt stehe vielmehr die Frage, wer Jugendliche in einer sensiblen Phase ihrer Identitätsentwicklung beeinflusse.
Aus Steuergeld finanziert
Das Gewaltschutzzentrum Oberösterreich wurde 1997 als Begleitmaßnahme zum Bundesgesetz zum Schutz vor Gewalt in der Familie eingerichtet und ist im gesamten Bundesland tätig.
Finanziert wird die Einrichtung aus Mitteln des Bundeskanzleramts, des Innenministeriums und des Justizministeriums sowie teilweise vom Land Oberösterreich. Das Projekt „PERSPEKTIVE“ wird zusätzlich vom Arbeitsmarktservice Oberösterreich finanziert.

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