Am Mittwoch wurde Kasia Greco im Wiener Rathaus feierlich ausgezeichnet. Obwohl sie als nicht amtsführende Stadträtin kein eigenes Ressort leitet und damit keine Regierungsverantwortung trägt, erhielt sie eine der bedeutendsten Ehrungen des Landes.

Mit einem monatlichen Gehalt von mehr als 11.000 Euro gehört Greco zwar dem Wiener Stadtsenat an, tritt in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch nur selten in Erscheinung. Laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie und Datenanalyse im Auftrag der „Krone“ kennen 42 Prozent der Befragten die Politikerin gar nicht. Nur neun Prozent können sich vorstellen, dass sie künftig eine größere politische Rolle spielen soll, berichtet die Krone.

Große Namen auf der Liste der Geehrten

Das Große Ehrenzeichen wird traditionell an Persönlichkeiten verliehen, die sich in besonderer Weise um die Republik verdient gemacht haben. Zu den bisherigen Trägern zählen unter anderem der Entertainer Freddy Quinn, der Skistar Hermann Maier sowie der Schlagwerker Martin Grubinger.

Dass nun auch Greco in diese Reihe aufgenommen wurde, wirft daher Fragen auf. Den Anstoß für die Auszeichnung gab das von der ÖVP geführte Wirtschaftsministerium. Von dort ging der Vorschlag an das Innenministerium und anschließend an die Hofburg. Da Bundespräsident Alexander Van der Bellen die Ehrung nicht selbst vornahm, überreichte Wiens Bürgermeister Michael Ludwig das Ehrenzeichen stellvertretend.

Begründung: Einsatz für Unternehmerinnen

Auf Nachfrage erklärte das Innenministerium, Greco habe sich insbesondere in den vergangenen 15 Jahren für die Förderung von Frauen in der Wirtschaft engagiert. Hervorgehoben wurde ihre mehr als sechsjährige Tätigkeit als Sprecherin für Ein-Personen-Unternehmen in der Wirtschaftskammer. Dort habe sie sich für bessere Rahmenbedingungen dieser Unternehmensgruppe eingesetzt.

Diese Begründung stößt allerdings auf Skepsis. Kritiker sehen darin vor allem eine Zusammenfassung ihres beruflichen Werdegangs und hinterfragen, ob diese Leistungen tatsächlich eine derart hohe staatliche Auszeichnung rechtfertigen.

Die Verleihung des Großen Ehrenzeichens entfacht damit erneut eine Debatte über die Vergabe staatlicher Auszeichnungen. Während Befürworter Grecos langjähriges Engagement für Unternehmerinnen hervorheben, sehen Kritiker in der Ehrung vor allem eine politische Entscheidung, die ohne breite öffentliche Wahrnehmung oder außergewöhnliche Leistungen erfolgt sei.