Kaum Unterlagen über seine Arbeit

Problematisch für den Prozess: Viele seiner Tätigkeiten wurden offenbar kaum dokumentiert. Laut Gericht führte Gusenbauer lediglich einen rudimentären Terminkalender. Zusätzliche handschriftliche Notizen dienen nun als Grundlage für die Rekonstruktion seiner Arbeit. Schriftliche Gesprächsprotokolle oder Berichte existieren hingegen kaum. Selbst von offiziellen Beiratssitzungen liegen offenbar keine detaillierten Unterlagen vor. Der Ex-Kanzler räumte zudem ein, dass sein Erinnerungsvermögen „dem eines Durchschnittsbürgers“ entspreche. Häufig konnte er sich nur allgemein an Inhalte und Dauer von Gesprächen erinnern.

Treffen, Telefonate und politische Kontakte

Laut Gusenbauer drehten sich viele Gespräche um die öffentliche Wahrnehmung und die wirtschaftliche Lage der Signa-Gruppe. Zahlreiche Kontakte seien telefonisch oder informell erfolgt und deshalb nicht vollständig dokumentiert worden. Konkret erinnerte er sich unter anderem an Gespräche mit niederösterreichischen Bürgermeistern über leistbaren Wohnbau. Diese Projekte seien letztlich zwar umgesetzt worden, allerdings nicht direkt durch Signa. Auch ein Treffen mit dem damaligen Kika/Leiner-Chef Reinhold Gütebier blieb ihm laut eigener Aussage besonders im Gedächtnis. Dabei sei es um finanzielle Probleme des Möbelhändlers gegangen.

Mehrere Rollen innerhalb der Signa-Gruppe

Zusätzliche Unklarheit entsteht durch Gusenbauers verschiedene Funktionen innerhalb des Konzerns. So war er unter anderem Aufsichtsratschef bei mehreren Signa-Gesellschaften, darunter der Signa Prime und der Signa Development. Die Beratertätigkeit für die Signa Holding sei davon jedoch getrennt gewesen, betonte Gusenbauer. Seine Aufgabe habe weit über Immobilien hinausgereicht und auch Bereiche wie Handel oder Gastronomie umfasst. Der Insolvenzverwalter hinterfragt nun genau diese Abgrenzung zwischen Aufsichtsrat und Beraterrolle.

Prozess dürfte noch lange dauern

Ein Ende des Verfahrens ist derzeit nicht in Sicht. Bereits in der aktuellen Verhandlung konnten nicht alle Termine und Tätigkeiten aus dem Jahr 2022 behandelt werden. Das Gericht setzte deshalb weitere Verhandlungstage für Ende November an. Beobachter rechnen inzwischen damit, dass sich der Prozess noch bis ins Jahr 2027 ziehen könnte.