Wegen mehrerer irritierender Auffälligkeiten werfen Social-Media-Nutzer der ARD vor, dass sie sich von iranischen Regime einen fabrizierten Filmbeitrag hat andrehen lassen. Der Beitrag soll eine Lehrerin mit dem Namen Sepideh zeigen, die 45 Jahre alt sein soll. Sie wohne in einer kleinen Kellerwohnung, heißt es in dem Beitrag. Auffällig ist jedoch, dass die „kleine Kellerwohnung“, die eher spartanisch eingerichtet ist, mit einer schweren und modernen Hochsicherheitstür (Hersteller: Alem ECO, Kosten: ca. 300 Euro, im Iran drei Monatsgehälter) ausgestattet ist. Die Tür hat mehrere moderne Schlösser und Bolzen.

Die Tür könnte ein Hinweis darauf sein, dass es sich bei der Wohnung nicht um die „kleine Kellerwohnung“ einer einfachen Lehrerin handelt, sondern vielmehr um ein „Safe House“ des iranischen Geheimdienstes.

Der Anwalt Emrah Erken etwa bemerkt, dass der Beitrag von der Aktivistin Tereza Bora stamme, die in Istanbul weit ab „vom Schuss“ wäre. Ursprünglich war der Beitrag aber der – nach eigener Aussage in Istanbul lebend – Korrespondentin Katharina Willinger zugeschrieben worden, die für die ARD über die Türkei und den Iran berichtet. Erken nannte den Beitrag geradeheraus eine „Fake-Reportage“.

Jonas Schmidt-Chanasit fragte die Tagesschau öffentlich bei X, woher die Geschichte stamme.

Gassi gehen ohne Kopftuch

Ein weiterer Hinweis, der darauf hindeutet, dass es sich um iranische Propaganda handeln könnte, ist die Tatsache, dass die 45-jährige Sepideh seelenruhig mit ihrem Hund Gassi geht – und zwar ohne Kopftuch. Für Frauen ist es lebensgefährlich, in der iranischen Hauptstadt Teheran ohne Kopftuch vor die Tür zu treten. Noch gefährlicher wird es freilich, wenn man sich dabei von einem Kamerateam begleiten lässt, was noch mehr Aufsehen erregt.

Hinzu kommt: Gassigehen ist in mehreren Großstädten des Iran nicht erlaubt, in Teheran bereits seit mehreren Jahren. Würde eine Iranerin sich im Park barhäuptig und beim Ausführen ihres Hundes zeigen und filmen lassen?

Passend zu den Zweifeln: Die Iranerin spricht kritisch über die Angriffe der USA und Israels: „Ich sehe, wie die Zweifel größer werden. Viele glauben mittlerweile, dass für uns Menschen im Iran am Ende nichts Gutes herauskommen wird“, sagt sie auf Englisch.

Eine weitere Merkwürdigkeit: Im Morgenmagazin (moma) am Dienstagmorgen läuft der Beitrag noch einmal, allerdings ohne die Gassi-Szene im Park, dafür mit Schwerpunkt auf Donald Trumps Drohung, die Infrastruktur des Iran anzugreifen. Auch wird der Beitrag hier nicht Katharina Willinger zugeschrieben, sondern Tereza Bora zugeschrieben, die mehr als 2000 Kilometer Luftlinie von Teheran entfernt ist. Sie ist offenbar nicht vor Ort, und es stellt sich die Frage, wer das Video produziert und ihr das Material zugespielt hat. Ist das Erste hier einer gezielten Propaganda des iranischen Regimes aufgesessen? 

Ausführliche Beschwerde über Donald Trump

Tatsache ist, dass die Aussage zu der vom Sender verbreiteten, äußerst kritischen bis ablehnenden Sicht auf den Iran-Krieg passt. Dem SWR sagte die ARD-Korrespondentin Katharina Willinger gerade, den Menschen im Iran schlage die Situation aufs Gemüt, viele könnten nicht aufs Land flüchten, aber auch nicht zu ihren Arbeitsstätten gelangen. Auch seien Menschen gegen das Regime, aber auch gegen die Bombardements: „Ich nehme doch eine immer größer werdende Sorge und Angst wahr vor dem, was da in den nächsten Tagen und Wochen noch auf sie zukommen könnte.“

Die Lehrerin Sepideh darf sich auch ausführlich über US-Präsident Donald Trump beschweren, der Drohungen gegen alle Iraner ausspreche und dies auf „sehr herablassende Weise“.

Irritierend ist auch, dass die uns als Lehrerin Sepideh vorgestellte Iranerin im Video Trump-Tweets und -Posts auf Truth Social auf ihrem Smartphone durchscrollt, obwohl das Internet im Iran seit Wochen down ist.

Zu Anfragen von unserem Partner-Portal NIUS hat sich der Sender noch nicht geäußert. Sobald die Antwort eintrifft, wird sie an dieser Stelle veröffentlicht.