Die Enthüllungen rund um eine Erpresser-E-Mail und vergiftete Babygläschen schlagen hohe Wellen. Besonders brisant: Die Droh-Mail wurde erst Wochen nach ihrem Eingang entdeckt. Nun spricht Hipp-Geschäftsführer Stefan Hipp im exklusiven Gespräch mit Die Presse erstmals ausführlich über die Geschehnisse und stellt klar, warum das Unternehmen so gehandelt hat und weshalb man sich zu Unrecht an den Pranger gestellt fühlt.
„Werden teilweise wie Täter dargestellt“
Im Interview mit der Presse zeigt sich Hipp sichtlich betroffen von der Situation. Der Erpressungsversuch habe das Unternehmen „unglaublich bewegt und beschäftigt. Das geht enorm an die Substanz und nimmt uns alle sehr mit. Die Mitarbeiter haben seit Donnerstag mit sehr wenig Schlaf durchgearbeitet“, sagt Hipp.
Für ein mittelständisches Unternehmen seien die Ereignisse sogar „existenzgefährdend“. Umso mehr störe ihn die öffentliche Wahrnehmung: Obwohl er „das Opfer einer Straftat“ sei, werde er „nach außen hin teilweise wie ein Täter dargestellt“. Gegenüber der Presse betont Hipp, dass das Unternehmen nichts verschwiegen habe und stets eng mit den Behörden kooperiere.
Warum die Erpresser-Mail so spät entdeckt wurde
Besonders stark kritisiert wurde, dass die Erpresser-Mail vom 27. März erst am 16. April gelesen wurde. Auch dazu äußert sich Hipp im Interview.
Die E-Mail sei in einem „unpersonalisierten Sammelpostfach“ gelandet, das für internationale Anfragen gedacht sei und nur alle zwei bis drei Wochen überprüft werde. „Das wäre so, als würden Sie einen Brief über den Zaun ins Firmengelände werfen und hoffen, dass ihn jemand findet.“
Unmittelbar nach der Entdeckung habe man reagiert. Die deutsche Kriminalpolizei wurde informiert und seither arbeitet man auch mit den österreichischen Behörden zusammen. In den betroffenen Supermärkten begann daraufhin die gezielte Suche nach manipulierten Gläsern.
„Vorsichtige Kommunikation“ zum Schutz der Ermittlungen
Auch die zurückhaltende Informationspolitik verteidigt Hipp. Der Grund dafür sei gewesen, dass die Ermittlungen nicht gestört werden sollten. „Je weniger nach außen dringt, desto besser können die Behörden arbeiten.“ Jede öffentliche Information könne die Ermittlungen behindern. „Das ist der Grund, warum unsere Mitteilungen mit den ermittelnden Behörden abgesprochen werden, bevor sie veröffentlicht werden“, sagt Hipp.
Man habe bewusst so gehandelt, „damit der Verbrecher so schnell wie möglich gefasst werden kann und kein Kind zu Schaden kommt“.
Vergiftete Gläser in drei Ländern – eines fehlt noch
Insgesamt wurden sechs Gläser mit Rattengift präpariert und gezielt in Supermärkten in Tschechien, der Slowakei und Österreich platziert. Fünf dieser manipulierten Gläser konnten bereits sichergestellt werden – eines fehlt weiterhin.
Das noch gesuchte Glas stammt aus einer Interspar-Filiale in Eisenstadt. Ein anderes Glas aus derselben Filiale wurde bereits entdeckt: Ein Kunde hatte es gekauft, jedoch nicht konsumiert und nach einem öffentlichen Aufruf an die Behörden übergeben. Erste Untersuchungen bestätigten darin Rattengift.
Die Ermittlungen laufen derzeit auf Hochtouren. Dafür wurde eine eigene Ermittlungsgruppe eingerichtet, zudem arbeiten Behörden in mehreren Ländern eng zusammen.
Gesundheitsgefahr durch Rattengift
Die Gefahr ist real: Rattengift kann laut Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) erst Tage nach der Aufnahme Symptome verursachen. Dazu zählen unter anderem Blutungen, Schwäche und Blässe. Der häufig verwendete Wirkstoff hemmt die Blutgerinnung.
Gleichzeitig gibt es auch eine gute Nachricht: „Bei entsprechender ärztlicher Behandlung“, insbesondere durch Vitamin K, „ist die Vergiftung aber gut behandelbar“.

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