Laut portugiesischen Medien sollen sie erst wenige Tage zuvor gemeinsam mit Mutter und Stiefvater eingereist sein. Der Vater der beiden Kinder, der von der Mutter getrennt ist, habe sich nach den Berichten über das Auffinden der Buben spontan bei der Polizei gemeldet und Anzeige wegen Kindesentzugs erstattet, fügte Richert hinzu. Die Familie der 41 Jahre alten Frau hatte deren Verschwinden bereits am 11. Mai gemeldet. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft konnte ihr Weg von Frankreich über Spanien nach Portugal nachverfolgt werden. Es habe jedoch keinen Kontakt zu ihr gegeben.
Die portugiesische Nationalgarde GNR verfüge über Aufnahmen des Wagens beim Grenzübertritt am 11. Mai, berichtete die Zeitung Correio da Manhã unter Berufung auf die Behörden. Ein Sprecher der Polizei sagte der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage, die Informationen des Blatts seien “nicht falsch”. Zum Schutz der Kinder könne man aber keine weiteren Angaben machen.
Kinder im Krankenhaus
In Portugal leitete die Staatsanwaltschaft ebenfalls Ermittlungen ein. Die beiden Buben befänden sich derzeit zur Beobachtung in einem Krankenhaus, teilte die Staatsanwaltschaft in Lissabon mit.
Nach ersten Ermittlungsergebnissen hatten die Mutter und ihr neuer Lebensgefährte die Kinder mit einem Auto in den Wald gefahren. Dort hätten sie ihnen die Augen verbunden und ihnen gesagt, sie sollten ein Spielzeug suchen, während sie mit dem Auto wieder davonfuhren.
Ein portugiesisches Paar fand die beiden Kinder, als sie weinend am Rand einer Landstraße nahe der Ortschaft Monte Novo do Sul entlanggingen. Sie konnten mit Hilfe einer französischen Freundin am Telefon mit den beiden sprechen und verständigten die Polizei. Die Buben hatten Rucksäcke mit Wasser, Keksen und Kleidung, jedoch keine Ausweispapiere bei sich.
Buben mit verbundenen Augen im Wald gelassen
Portugiesische Medien veröffentlichten Bilder der beiden blonden Kinder. Ausweise hatten sie nicht bei sich. Laut Medien erzählten sie Beamten der Nationalgarde, ihre Mutter und ihr Stiefvater hätten sie mit verbundenen Augen im Wald allein gelassen. Als sie die Augenbinden abgenommen hätten, seien die Eltern bereits weg gewesen.
Der Mann, der die Kinder aufgriff, war mit dem Auto unterwegs, als er die beiden plötzlich im Rückspiegel sah. Dem Fernseh-Nachrichtensender SIC Notícias schilderte er, das ältere Kind habe ihm erzählt, dass die Eltern sie unter dem Vorwand eines Spiels verlassen hätten. “Die Eltern haben ihnen gesagt, dass sie im Wald nach einem Spielzeug suchen sollten”, sagte er sichtlich mitgenommen, während er sich die Tränen von den Augen wischte.
“Als ich in ihre Rucksäcke sah, war mir sofort klar, dass sie ausgesetzt worden waren”, erzählte er. “Dort waren nämlich komplette Wechselkleidung, Kekse, Obst und eine Flasche Wasser.” Um sich mit den Kindern verständigen zu können, habe er telefonisch eine französische Bekannte um Hilfe beim Übersetzen gebeten.
Familie laut Medien bereits komplett identifiziert
Correio da Manhã veröffentlichte neue Details der Ermittlungen. Demnach soll die bereits komplett identifizierte Familie zuletzt in einem Hotel im Raum Alcácer do Sal unweit der Atlantikküste übernachtet haben. Nach Angaben des älteren Kindes hätten alle am Dienstag – wenige Stunden vor der mutmaßlichen Aussetzung – noch gemeinsam in der Region zu Mittag gegessen.
Mutter soll die Kinder entführt haben
Nach einem Bericht von CNN Portugal sollen die Kinder, die bei ihrem Vater in Frankreich lebten, von der Mutter entführt worden sein. Das deckt sich mit Informationen der französischen Zeitung Le Parisien, wonach die 41 Jahre alte Mutter mit den beiden Kindern verschwunden sein soll und von den französischen Behörden ebenfalls intensiv gesucht wird. Die Frau soll in Frankreich außerdem einen 16 Jahre alten Sohn zurückgelassen haben. Der von ihr getrennt lebende Vater habe sich inzwischen selbst bei der Polizei gemeldet. “Er versteht es genauso wenig wie alle anderen”, sagte Staatsanwalt Richert laut dem Bericht.
Nach einer medizinischen Untersuchung wurden die beiden Brüder inzwischen laut Medien in die Obhut der französischen Botschaft in Lissabon übergeben. Der Vorgang werde von der Kinderschutzkommission CPCJ sowie den französischen Jugendschutzbehörden beaufsichtigt. Gleichzeitig laufen die Vorbereitungen, die Buben an Angehörige in Frankreich zu übergeben.

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